Sundra M. Kanigowski  


geboren am 13. März 1947
in Hamm (Westfalen), Deutschland
lebt seit 1983 in Brilon im Sauerland (NRW)
Geburt einer Tochter (1969)


Freischaffende Künstlerin seit 1993
Frühere Berufe: Speditionskauffrau, Staatlich Anerkannte Erzieherin, freie Übersetzerin, Certified Astroenergetic Counselor

Nachdem sie sich in den Siebzigern bewusst auf den Weg gemacht und in den Achtzigern ihren großen Traum, nach Indien auszuwandern, an den Nagel gehängt hatte, führte sie eine innere Entsprechung ins mystische Sauerland, zurück nach Westfalen, wo sie mit 46 Jahren ihren Durchbruch in die Malerei erlebte – im Selbststudium learning by doing. Kurz darauf lernte sie die Engelhardts aus Erlangen kennen und erlernte während ihrer dortigen Studienaufenthalte Techniken mit Eitempera, Bolusgründe und Wesentliches über die Mischtechnik von Öl mit Eitempera.
Werke in Eitempera, Öl, Tusche, Aquarell, Kreide und Gouache.

Ihre Bilder sind Zeugnisse eines durchlebten Individuationsprozesses, zeigen Stationen auf dem Weg zu sich selbst
Von 1994 bis 1998 Studienaufenthalte bei dem Erlanger Maler Michael Engelhardt
(Meisterschüler von Rudolf Hausner, Wiener Schule).

Seit 2007 neues Interesse an der Fotografie und digitalen Bildbearbeitung. Auseinandersetzung mit dem Thema „Spiegelung“. Es entstehen Spiegel-Sequenzen und Symmetriebilder.

Ab 2008 Projektarbeit mit Künstlerfreunden am soziokulturellen Projekt Heilspuren – Kunst und Gesundheit, eine Wanderausstellung für Schulen und Kliniken mit begleitender Studie.

2009 Eröffnung von Galerie und Malstudio in Brilon (Fußgängerzone).
www.sundra.eu


Symbol- und Archetypengewebe

Die Bildkräfte, die sich mir offenbaren, sind keineswegs nur Anschauungsobjekte. Ich erfahre sie als lebendige, psychische Energien, die unbewusst wirken und einen gewissen Zwang oder Druck auf mich ausüben, mich aktiv mit ihnen auseinander zu setzen. Sie treiben und drängen mich zur Tat. So lege ich Hand an, beschreibe ihre energetische Wirkung auf mich in meinem Traumtagbuch, forme, zeichne und male sie, stelle sie in bestimmte Zusammenhänge und nachbarschaftliche Beziehungen, ich tanze sie, erfahre sie mit meinem Körper, meiner inneren und äußeren Stimme, manchmal höre ich sie innerlich. Sie regeln und strukturieren meine psychische Energie nach einer inneren Notwendigkeit und einem eigenen Rhythmus.

Seit ich die Werke des Schweizer Psychiaters und Psychologen Carl Gustav Jung studiert habe, fühle ich mich sicherer und vertraut im Umgang mit den Inhalten des kollektiven Unbewussten, den Archetypen und Traumsymbolen. Viele meiner  Bilder sind Zeugnisse einer kollektiven emotionalen Datenbank-Sammlung, stellen archetypisches Erleben oder Prozesse dar: Bewusstseins-, Wandlungs- und Wachstumsstufen auf dem Weg zu mir selbst. Am Bild des Baumes, einem meiner ersten Bilder, möchte ich aufzeigen, wie die meisten Archetypen miteinander verschlungen und verwoben sind und gemeinsam ein dynamisches Feld psychischer Energie bilden, in dem jeder Archetyp ein eigener aktiver energetischer Punkt ist.



DER BAUM in der abstrahierten Form des Widder-Symbols (Tierkreis) drängt als erste energetische Urform aus mir heraus. Geburt. Neues Leben springt aus dem mütterlichen Schoß der Erde, sprengt die schützende Umhüllung des Samens, behauptet sich, strebt mit offenen Armen zum Licht. Die Eins des Stammes teilt sich in die Zweiheit der Astarme, und die Zwei in die Vier. Das ist wesentlich und formvollendet für das Urbild des Baums.

- Archetyp BAUM: Lebensbaum, Entwicklung und Wachstum in der Zeit. Der „Baum des Lebens“ (Kabbalah). Der Stammbaum, Hinweis auf Abstammung und Herkunft. Verwoben mit dem Archetyp Kind (das neue Leben entspringt dem Bauch der Mutter), dem Archetyp Mutter (Baum gebiert und trägt die Sonne), der Sonne (die Sonne entspringt dem Baum), des Selbst, des Vaters, des Todes (Särge aus Holz, (Baumbestattungen).

- Archetyp VATER: Das Zeugende, Männliche, der Baumstamm als zeugender Phallus, lebendige aktive Sexualität, die aus der Tiefe wächst. Das Schöpferische. Verbunden mit den Archetypen Sonne, Selbst, Baum.

- Archetyp MUTTER: Ahnfrau, Göttin, die Erde, das Wasser des Lebens. Geburts- und Zeugungsstätten: Berg, Land, Baum, Quelle. Das Hegende, Tragende, Nährende. Stätte der magischen Verwandlung und Wiedergeburt: Die liegende, schwangere Erd- oder Fruchtbarkeitsgöttin mit dem schwarzen Gesicht (Stein) als hügelige Landschaft in Orange. Geburt des Baums aus ihrem Nabel / Bauch / Solarplexus und aus der Lemniskate, dem Symbol der Unendlichkeit und der zyklischen Erneuerung.  Stammbaum, Ab-Stammung. Verbunden mit den Archetypen Sonne (lichtvolles Orange der Landschaft), Quelle, Baum, Berg, Selbst.

- Archetyp SELBST: Alle anderen Archetypen integrierend oder umfassend: Der Baum, seine zentrale Stellung im Raum. Die Sonne, das Licht. Der Baum empfängt, hält und umfasst mit beiden Armen den roten Sonnenball, Symbol des Ganzen. Die Dreiheit Sonne-Baum-Lemniskate (Licht-Selbst-Unendlichkeit) bildet eine diagonale Linie.

- Archetyp TOD: Die Lemniskate. Die liegende Acht: Achtung! Unendlichkeit! Acht = Untergang & Tod, Aufstieg & Wiedergeburt. ACHTgeben! Hinweis auf zyklisches Werden & Vergehen, Wandlung, Übergang. Ende einer alten Entwicklung, Beginn einer neuen. Der Tod ist weiblich, sanft, zart, verwoben mit der dunklen Mutterfigur, die gebiert und wieder verschlingt.

- Archetyp SONNE: der Tag, das Licht. Verwoben mit den Archetypen Baum, Selbst,  Vater und durch die Farbe Orange auch mit dem der Mutter.

Während des Malprozesses sind mir diese Zusammenhänge nicht bewusst oder sie werden ahnend erspürt. Jetzt, siebzehn Jahre nach dem Malen des Baum-Bildes, spüre ich die Lebenskraft in meinem Bauch als psychische Schwangerschaft, als dunkles Mysterium, als unendlich tief reichende Verwurzelung in einem Gewebe, das wir ewiges Leben nennen können, das sich aber in Wahrheit jeder Definition entzieht.
Auf einer Ausstellung mit diesem Bild sprach mich eine Kunstinteressentin an, die gerade von Chartres zurückgekehrt war. Sie zeigte mir auf meinem Bild die liegende schwarze Madonna mit dem schwarzen Gesicht (von mir als ein Stein gemalt), den langen roten Haaren und den Hügelformen ihres schwangeren Leibes. Und nun erhielten der Nabelpunkt als Geburtsort des Baumes und damit auch das ganze Bild eine tiefere Bedeutung für mich! Ich erfuhr auch, dass die Kathedrale von Chartres über einer uralten Kultstätte der schwarzen Madonna errichtet worden war. Die Archetypen  führen uns zu einer tief im Dunkeln liegenden Weisheit (sophia), die in allen von uns lebendig ist und aktiviert werden kann – zum Beispiel durch die Kunst.
 
 
©Sundra M. Kanigowski

 


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