Doris Killmer

doris-killmer1957 in einem kleinen Dorf in Ostwestfalen geboren und aufgewachsen, vier Jahre Zwergschule, und irgendwann die Sehnsucht nach der großen Welt. Aufbruch ins Unbekannte – und bis nach Bochum gekommen. Lehramtsstudium (Anglistik und Theologie) an der Ruhr-Universität, Familienbande geknüpft und nach dem Staatsexamen 1983 die Erkenntnis: für die Zwänge des Schulalltags absolut ungeeignet.

Auf der Suche nach anderen Betätigungsfeldern dann doch Entdeckung der großen weiten Welt: sie wartete bereits in immer wechselnden Arbeitsräumen. Als DaF-Lehrerin (Deutsch als Fremdsprache), lange bevor es dazu eine Ausbildung gab, Begegnungen mit Menschen aus allen Kontinenten. 2006 (nach fast 25 Jahren Praxis) noch mal Hörsaalbänke gedrückt, das DaF-Examen nachgelegt und sich zwei Kurzsemester Russisch an der Lomonossow-Universität gegönnt.
Die drei Gedichte erhielt ich im Jahre 2009 per Mail übermittelt. Milena Findeis 


 

Ein Bild,

das ich nicht mehr aus dem Kopf bekomme,
seit ich das Mahnmal sah.
Es erinnert an dunkelste Zeiten
in der russischen Geschichte,
aber ich sehe darin auch eine erschreckende Vision:
unser Bildungssystem ist dabei,
unsere jungen Menschen psychisch
zu solchen stummen Zeitzeugen zu machen.

Wenn Steine reden könnten...

 

Hoffnung

Flügel tragen
weit über die Grenzen hinaus
zu weit manchmal
zu viele

Flügel-Schläge
ermüden
erwachen
im luftleeren Raum

 

Weltordnung

Ich gehe einen Schritt zurück
Und ordne das Leben,
das wirkliche,
der Erhaltung der Scheinwelt unter.
Dann wird die Lüge zum Weg,
Gefangenschaft
Zwangsarbeit an der Fassade

Und im Sonnenlicht tanzen,
als wäre die Zeit stehen geblieben,
zwei schwarze Libellen
taumelnd
ihren Traum vom Leben