Franz Kafka 

Franz Kafka Skulptur

Franz Kafka Skulptur von David Černý

 

Kafkas Schritte
höre das Verstehen
schreibe nicht alles
Frauen sind
gläserne Bilder
zu Briefen gepresst
bar jeglicher
berührenden Lust
Milena Findeis

 

Amschel

Kafkas Schreiben, das sowohl sein Leben als auch untrennbar mit seinem lebenslangen Scheitern am Leben verbunden war, war ein Sieg des Genialen. Und dieses Geniale, diesen – man kann sich hier gar nicht paradox genug ausdrücken – ewigen Sieg durch Niederlage, dieses Zentrum des Dichterischen, das sich schmerzlich dem Leben abtrotzt, umkreisen die meisten von Kafkas Schriften und schützen es, dem sie selber entstammen, zugleich von außen.
Jürg Amann (2.7.1947 – 5.5.2013) 

1883  Am 3. Juli wird Franz Kafka in Prag geboren. Er ist das erste Kind von Hermann Kafka (1852-1931) und seiner Frau Julie, geb. Löwy(1856-1934). Die jüdischen Eltern führen ein Geschäft mit Galanteriewaren (Accessoires, feine Wäsche etc.). In der Familie wird Deutsch gesprochen, mit Bediensteten aber zumeist Tschechisch.
1885-1888  Geburt zweier Brüder, die schon als Kleinkinder sterben.
1889-1892  Geburt der Schwestern Gabriele (Elli), Valerie (Valli) und Ottilie (Ottla).
1889-1893  Besuch der Deutschen Volks- und Bürgerschule 
1893-1901  Besuch des Altstädter Deutschen Gymnasiums im Kinsky-Palais. Abitur
1901 Beginn des Jura-Studiums an der Prager Deutschen Universität. In den folgenden Semestern hört Kafka auch Vorlesungen in Kunstgeschichte, Philosophie und Germanistik
1902 Oktober: Erste Begegnung mit Max Brod, der ebenfalls Jura studiert. Beginn der lebenslangen Freundschaft
1904 Beginn der Arbeit an der 1. Fassung von Beschreibung eines Kampfes
1906  Juni: Promotion. Oktober: Beginn des einjährigen Rechtspraktikums am Landes- und am Strafgericht
1907  Beginn der Arbeit an der 1. Fassung von Hochzeitsvorbereitungen auf dem Lande. August: Ferien bei dem Landarzt Siegfried Löwy in Triesch (Mähren), einem Bruder von Julie Kafka. Oktober: Anstellung als Hilfskraft bei der Versicherungsgesellschaft ›Assicurazioni Generali‹
1908  März: Erste Veröffentlichung: kleine Prosastücke unter dem Titel Betrachtung in der Zeitschrift Hyperion. 30. Juli: Eintritt in die halbstaatliche ›Arbeiter-Unfall-Versicherungs-Anstalt für das Königreich Böhmen in Prag‹.
1909  Beginn der erhaltenen Tagebucheintragungen. Erste Begegnung mit Franz Werfel. September: Reise mit Max Brod und dessen Bruder Otto nach Norditalien. Ausflug zu einem Flugmeeting, das Kafka in seinem Text Die Aeroplane in Brescia beschreibt. Herbst: Arbeit an der 2. Fassung von Beschreibung eines Kampfes
1910 Oktober: Reise mit Otto und Max Brod nach Paris.
1911  August/September: Reise mit Max Brod in die Schweiz, nach Norditalien und Paris. Danach im Sanatorium Erlenbach bei Zürich. Oktober: Bekanntschaft mit einer ostjüdischen Theatertruppe, die Kafka stark beeindruckt. Besuch zahlreicher Vorstellungen in jiddischer Sprache. Freundschaft mit dem Schauspieler Jizchak Löwy. Kafka wird Teilhaber der ›Ersten Prager Asbest-Fabrik‹, die von seinem Schwager Karl Hermann geleitet wird.
1912  Arbeit an der 1. Fassung des Romans Der Verschollene, die Kafka später vernichtet. Juni/Juli: Reise mit Max Brod nach Leipzig und Weimar. Begegnung mit den Verlegern Kurt Wolff und Ernst Rowohlt, die Kafka zur Einsendung eines Manuskripts auffordern. Aufenthalt im Naturheilsanatorium ›Jungborn‹ bei Stapelburg im Harz. August: Erste Begegnung mit Felice Bauer in der Wohnung der Familie Brod. September: Beginn des intensiven Briefwechsels mit Felice Bauer. Das Urteil entsteht. Tägliche Arbeit an der 2. Fassung von Der Verschollene. Dezember: Die Verwandlung entsteht. Der Verleger Kurt Wolff veröffentlicht die Kurzprosa Betrachtung als Kafkas erstes Buch
1913  Januar: Abbruch der Arbeit an Der Verschollene. März: In Berlin, erstes Wiedersehen mit Felice Bauer. Mai: Der Heizer (das 1. Kapitel von Der Verschollene) erscheint im Kurt Wolff Verlag. Juni: Das Urteil erscheint im Jahrbuch Arkadia (hrsg. von Max Brod). Beginn der Freundschaft mit dem Schriftsteller Ernst Weiß. September/Oktober: Reise allein nach Wien, Venedig, Gardasee. Sanatorium Dr. von Hartungen in Riva. Oktober: Erste Zusammenkunft mit Grete Bloch, die zwischen Kafka und Felice Bauer vermitteln will. Beginn eines intensiven Briefwechsels mit ihr.
1914 1. Juni: Verlobung mit Felice Bauer. 12. Juli: Bei einer von Kafka als »Gerichtshof« empfundenen Auseinandersetzung in Berlin wird die Verlobung aufgelöst. Reise über Lübeck nach Marielyst (Dänemark). 28. Juli: Österreich-Ungarn erklärt Serbien den Krieg (Beginn des Ersten Weltkriegs). August: Beginn der Arbeit am Roman Der Process. Oktober: In der Strafkolonie entsteht. Dezember: Das Fragment Der Dorfschullehrer entsteht.
Franz Kafka Sinnloses Fragen1915  Januar: Kafka gibt die Arbeit an Der Process auf. Erneute Annäherung an Felice Bauer. April: Reise nach Ungarn. Juni: Kafka wird militärisch gemustert und für tauglich befunden, jedoch auf Antrag der Versicherungsanstalt vom Militärdienst freigestellt. Juli: In einem Sanatorium in Rumburg (Rumburk) in Nordböhmen. Oktober: Die Verwandlung erscheint bei Kurt Wolff. Carl Sternheim gibt die Preissumme des ihm verliehenen Fontane-Preises an Kafka weiter
1916  Juni: Kafka wird aus beruflichen Gründen erneut vom Militärdienst freigestellt. Juli: In Marienbad erster und einziger gemeinsamer Urlaub mit Felice Bauer. Neuerlicher Entschluss zur Heirat. November: Kafka liest in München In der Strafkolonie (einzige Lesung außerhalb Prags). Er beginnt, ein Häuschen in der Alchimistengasse auf dem Hradschin zum Schreiben zu nutzen. Im folgenden Winter entstehen dort zahlreiche kürzere Erzählungen und Fragmente, darunter Ein LandarztSchakale und AraberBeim Bau der chinesischen Mauer und Auf der Galerie
1917  April: Ein Bericht für die Akademie entsteht. Sommer: Kafka beginnt, Hebräisch zu lernen. 10. August: Lungenblutsturz. September: Kafka bittet wegen der diagnostizierten Tuberkulose um Pensionierung, was jedoch abgelehnt wird. Er übersiedelt zu seiner Schwester Ottla, die im nordwestböhmischen Zürau (Siřem) einen kleinen Hof bewirtschaftet. Oktober: Kafka beginnt, aphorismenartige Texte zu schreiben. Ende Dezember: Endgültige Trennung von Felice Bauer
Zürau
1918  Mai: Ende der Beurlaubung. Oktober: Sturz der österreichisch-ungarischen Monarchie. Proklamation der Tschechoslowakei als Republik. Die Amtssprache in Prag, auch in Kafkas Versicherungsanstalt, ist fortan Tschechisch. Kafka erkrankt an der Spanischen Grippe. Ende November: Kafka fährt nach Želízy nördlich von Prag, wo er (mit Unterbrechung) bis März in einer Pension lebt.
1919  Ende Januar: In Želízy  Begegnung mit der Prager Angestellten Julie Wohryzek. Sommer: Verlobung mit Julie Wohryzek, gegen den Widerstand der Eltern. Oktober: In der Strafkolonie erscheint bei Kurt Wolff. Die geplante Heirat mit Julie Wohryzek wird abgesagt, weil das Paar keine Wohnung findet. November: In Želízy schreibt Kafka den umfangreichen Brief an den Vater, der jedoch nie zu seinem Adressaten gelangt.
1920 März: Ernennung zum Anstaltssekretär. April: Kafka fährt für drei Monate zur Kur nach Meran. Beginn des intensiven Briefwechsels mit Milena Jesenská. Mai: Bei Kurt Wolff erscheint Ein Landarzt. Kleine Erzählungen. Juli: Kafka verbringt in Wien einige Tage mit Milena Jesenská. Nach seiner Rückkehr nach Prag löst er die Verlobung mit Julie Wohryzek auf. Die Einladung Kafkas, mit ihm in Prag zusammenzuleben, lehnt Jesenská jedoch ab, da sie sich noch an ihren Ehemann Ernst Pollak gebunden fühlt. Dezember: Beginn eines achtmonatigen Kuraufenthalts in Matliary in der Hohen Tatra.
1921 Februar: Beginn der Freundschaft mit dem Medizinstudenten Robert Klopstock. August: Kafka tritt zum letztenmal seinen Bürodienst an; nach acht Wochen wird er erneut krankgeschrieben.
1922 27.Januar: Beginn der Arbeit an dem Roman Das Schloss im Kurort Spindelmühle (Špindlerův Mlýn) im Riesengebirge, wo Kafka für drei Wochen bleibt. Frühjahr: Ein Hungerkünstler entsteht. Juni: Forschungen eines Hundes entsteht. Kafka fährt für etwa drei Monate nach Planá in Südböhmen. 1. Juli: »Vorübergehende« Pensionierung. August: Abbruch der Arbeit an Das Schloss.
1923  Juni: Letzte erhaltene Tagebucheintragung. Juli: Kafka fährt für etwa vier Wochen nach Müritz an der Ostsee, wo er Dora Diamantkennenlernt. August: Für vier Wochen nach Želízy. September: Kafka übersiedelt nach Berlin-Steglitz. Wechselnde gemeinsame Wohnungen mit Dora Diamant. Sie leiden unter der Hyperinflation. November/Dezember: Eine kleine Frau und Der Bau entstehen. Kafkas Gesundheitszustand verschlechtert sich rasch.
1924 März: Rückkehr nach Prag. Josefine, die Sängerin entsteht. April: Kafka reist in das Sanatorium ›Wiener Wald‹ in Ortmann, Niederösterreich. Diagnose der Kehlkopftuberkulose. Überführung in die Universitätsklinik Wien, dann in das kleine Sanatorium Dr. Hugo Hoffmann in Kierling bei Klosterneuburg. Dora Diamant und Robert Klopstock pflegen Kafka, der ständig an Gewicht verliert und kaum mehr schlucken oder sprechen kann. Mai: Kafka verständigt sich mit Hilfe von Zetteln. 2. Juni: Kafkas letzter Brief, an die Eltern gerichtet. 3. Juni: Kafka stirbt gegen Mittag. 11. Juni: Bestattung auf dem Neuen Jüdischen Friedhof in Prag

 Franz Kafka

Chronik, Quelle Franz Kafka


Franz Kafka:
Die Zürauer Aphorismen
Die Kaldabahn
Ein Landarzt
Ein Bericht für eine Akademie
Josefine, die Sängerin
Blumfeld

Milena Jesenská, NachrufAlena Wagnerová, Franz gibt es uns
Alena Wagnerová, Ein Gespräch über Franz Kafka in der Lerchenfelderstr. 113, Wien, 6. Juli 1920Jiří Gruša Der Schuss von der Marienschanze, Die Verlockung auf dem Dorfe
Igor Pomerantsev: Erich Fried – Franz Kafka


 Franz Kafkas Grabstätte, Neuer Jüdischer Friedhof Prag. Die zusätzliche Gedenktafel verweist auf die drei Schwestern Kafkas, die während der deutschen Besetzung ermordet wurden.10.8.2025


ARTE Dokumentation, Kennen Sie Kafka?

Franz Kafka, dessen Erzählungen und Romane größtenteils posthum und gegen seinen Willen veröffentlicht wurden, hat Weltliteratur geschrieben. Diese ARTE-Dokumentation wirft anlässlich seines 100. Todestags einen neuen Blick auf Werk und Mensch und nimmt den hartnäckigen Kafka-Kult um den angeblich lebensfremden, introvertierten und humorlosen Schriftsteller genauer unter die Lupe. Die Dokumentation zeichnet ein Porträt des Schriftstellers Franz Kafka, gestützt auf jüngste Recherchen und bisher unveröffentlichtes Archivmaterial. Wer war Franz Kafka? Ein depressives und humorloses, aber visionäres Genie? Derlei Klischees werden der Realität nur bedingt gerecht. Sie entstanden, weil Generationen von Lesern die politischen Debakel des 20. Jahrhunderts in Kafkas Werk hineinlasen und den Autor mit seinen Charakteren verwechselten. Die Dokumentation nimmt den letzten und unvollendeten Roman „Das Schloss“ zum Ausgangspunkt für die Suche nach dem „wahren“ Franz Kafka. Enthüllt werden neue Erkenntnisse über sein Leben, seine Arbeit und seinen Schaffensprozess. Vor allem der Kafka-Biograf Reiner Stach liefert Fakten, die das Image des introvertierten Intellektuellen und blassen städtischen Exzentrikers deutlich widerlegen. Zudem tragen Kafkas zu Papier gebrachte Gedanken und Briefe, unveröffentlichte gefilmte Interviews unter anderem mit seinem Freund Max Brod aus den Jahren 1964 und 1968 dazu bei, das Leben und die literarische Arbeit des berühmten Schriftstellers neu zu deuten.

Arte Dokumentation: Minute 25, 26,5 mit Alena Wagnerová, von der beim Bollmann Verlag »Im Hauptquartier des Lärms« – Die Familie Kafka aus Prag erschien. Eine authentische Dokumentation, da hier tschechische Autoren und Autorinnen befragt worden sind. Milena Findeis

 

 

 

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