Claus Löser

 

 

Im Sommer 2015 für das Literaturfestival Meridian Czernowitz vermittelt durch Peter Zach und Jana Cisar der erste schriftliche Kontakt mit dem Autor, Fachjournalisten, Filmhistoriker und Kurator Claus Löser.
2021 kreuzen sich unsere Mails betreffend Bohumil Hrabal.
Im Jänner 2022, die vierte Covid-Welle "Omikron" verlegt Kulturveranstaltungen wieder Mal auf die digitale Schiene, finde ich im Postfach drei Gedichte von Claus Löser: sie lichten graue Januar-Tage und bergen Hoffnung fürs heller werden.
Ende Februar, seit 22.2.2022 wird die gesamte Ukraine durch Putin angegriffen. Das Gedicht "Fluch"  von Claus Löser fand den Weg auf den Zeitzug am 28.2.2022

28.2.2022, Milena Findeis

 

Fluch


Du kommst aus dem Nichts
nur das Nichts lebt in dir
und das Nichts wuchert
und weiß jenseits von
deinen schmalen Grenzen
nicht dass du tot bist
und immer schon warst.

Armer Mensch
kleiner Mensch
übergroße Metapher
aller Winzigkeit
in die du eingehst
aus der du kommst.

Nur das Nichts ist
dein Heim selbst das Mitleid
darüber bleibt ohne Krume
zu pflanzen die Saat.

Und nun hinweg mit dir
der Weg deines Namens
endet im Staub
und nun hinweg mit dir
Tölpel der du bist
möge die Spur
rasch verwehen
jede weitere Zeile
wäre zu viel selbst
der allerletzte Punkt
sei dir missgönnt

Claus Löser, aus Berlin, notiert am 25.2.22

 

 Nymburk

 

Elbe bei Nymburk 

Der Turm hat seine blaue Haube
aufgegeben und das verlorene 
Gässchen bleibt verschwunden
verloren wie die Elbe die
doch immerhin noch 
unverdrossen Richtung  
Hamburg schwimmt. 

Der Norden aber lauert kühl
verschlingt bei Melnik 
Tag um Tag die Moldau.

 

 

Brno August 2021 

Hrabal

 

 

Sitze und blicke auf die
Stadt der Dichter
neben mir aus Stahl er schweigt
gleich mir der Tod 
steht Kopf die Kindheit
schwingt das Land
versinkt am Rand des Tags
die Stille bleibt uns treu.

 

 

 

 

Abend über der Elbe


Abend über der Elbe
als die Enkel der Scherenschleifer
am leeren Sockel des Gottwald-Denkmals
vorüber torkelten als Hrabals
Katzenschatten im Abendrot
versank und ein Oktett
dazu an seinen Saiten zupfte.


Alle sympathischen Rotgesichter
trugen das Siegel der versinkenden Sonne
gleich mir der ich da saß am Rande
auch die Bratschistin
gerade sie die Bratschistin
mit ihren merkwürdig
verschleppten Kadenzen
versank im Rausch dieses späten Sommers.


Auch ich passierte das Wehr
neben den summenden Spulen des Kraftwerks
auch ich trank das Bier mit dem
Porträt des Dichters
und bat nicht um Vergebung.

 

25. August 2021

Schreibmaschine Hrabal

 

 

 

Tagesrandbild

Dunkeltiefrot

18.5.2022 Das Rot der Blüten dunkelt mit jedem Jahr ein wenig nach. Im Kriegsjahr 2022 erblüht die erste Knopse des Rhododendron am 86. Geburtstag von Alena Wagnerová.

Zwischen (W) Orte

Januar 2022, aprilig

Januar 2022 nächtens breiig in die Länge gezogen,
Tage stürmisch, regen-, eis-, schneeschaurig