Milena Findeis

Milena Findeis, Zeitzug
Milena Findeis, Selbstporträt

Renate Findeis  (alias Milena Findeis, Zeitzug, Augnerin)

Das Statische liegt mir fern wie vollmundige Phrasen und jede Form von Wettbewerb.
Lyrik, Prosa und Fotografie sind gestaltende Elemente um von einem anderen Ufer aus – über den gelebten Alltag – Haltung zu zeigen.

Jahrgang 1957, geboren in Graz-Unterpremstätten 
Unterwegs zwischen Orten und Worten im Zeitzug
mit einem österreichischen Reisepass lautend auf Renate Findeis und einem amtlich gemeldeten Wohnsitz in Prag


 

 

 

Renate Findeis, Jackie Stewart, 1972, Foto Tscho Findeis
Milena Findeis,  Jackie Stewart, Österreichring 1972, Foto Tscho Findeis

Wirtschaft verstehen, was es mit dem Zins, dem Kapital auf sich hat, die Rahmenbedingungen kennen. Den Unterschied zwischen Notwendigem und Überflüssigem vor Augen. Lernen, mit dem Einkommen gut auszukommen, finanziell unabhängig zu sein.

Hinter die Kulissen schauen, wer an welchen Fäden zieht und wie sich ein Ort ändert, wenn beispielsweise in den 70er Jahren in Zeltweg, Spielberg für ein Wochenende der internationale Formel 1-Zirkus zwischen Kühen und viel grüner Wiese Station macht. Über den Tellerrand schauen, organisieren und improvisieren.

Marketing war für mich die vermittelnde Stelle zwischen dem Markt, dem Kunden, dem Produkt-Hersteller und allen daran beteiligten Mitarbeitern – für den Kommunikationsfluss in beiden Richtungen zu sorgen und dort vermittelnd einzugreifen, wo es Beschwerden, Einwände und Widerstände gibt. 

Milena Findeis, Igor Pomerantsev, Foto Julia Calfee
Milena Findeis, Igor Pomerantsev, Foto Julia Calfee, PWF 2009

Mein Interesse an der Fotografie danke ich meinem Bruder Tscho und Helmut A. Gansterer  »Gehet hin, seid belichtet und entwickelt euch"*, es wurde in Prag durch Julia Calfee intensiviert. Tscho weckte mein Interesse an Literatur, in dem er mir die wegweisenden Bücher schenkte. Begegnungen während meiner Zeit in Zell am See (1979 bis 1984) mit Peter Handke und Erich A. Richter sowie in Frankfurt (1984 bis 1991) jene mit Hans F. Krebs und Rupert Riedl prägten mich. In Prag hat die Freundschaft mit dem russischsprachigen Dichter Igor Pomerantsev mein Interesse für die Ukraine geweckt.

Das Verhalten der Massen – wie Stimmungen sich in der Ansammlung von Herden aufschaukeln – seien es Sportveranstaltungen, Konzerte, Demonstrationen, hat mich zur Einzelgängerin gemacht. Situationsbedingt kann ich mich in eine Gemeinschaft, in ein Team einbringen. Rückzug bedeutet für mich, meinen Freiraum zu gestalten, um fern von der Suggestionskraft von Werbung, Influencern und Propaganda, nach- und vorauszudenken.

Neugierig und offen bleiben. Die eine oder andere Idee umzusetzen, ohne mich von einem Verein etc. vereinnahmen zu lassen, hierfür dient der Zeitzug.

Bedingt durch den Prager Alltag wechseln drei Sprachen einander ab. Das, was in jeder Sprache anders mitschwingt, die Unter- und Obertöne, Umgangssprache, das geschriebene Wort, weiten meinen Horizont. Wenn sich Gedanken verwirren, gehe ich mit dem Fotoapparat Gassi – um einen neuen Blickwinkel zu finden, der den Knoten im Inneren löst. Erde und Wasser mit Händen bearbeiten, entlastet das Kopfgefängnis: »Balkonien«, ein Lernen mit Pflanzen.

"Es geht um jene Schnittstellen entlang der Dinge dieser Welt, wo das Reversible ins Irreversible, umgehend Schützenswertes übergeht, um jene Grenze, wo wir für eine heile Welt und schon für unser Überleben ein anderes Paradigma bedürfen." Rupert Riedl

Im digitalen Zeitalter, der ineinander verflochtenen, vielfach von Algorithmen gelenkten Netzwerke, Annäherung an Rupert Riedls Morphologie und die Spurensuche nach den Urgroßeltern in Böhmen und Mähren.  Angepasst an die Notwendigkeit des Augenblicks: – Einssein mit dem Leben und verantwortlich handeln: — die komfortable Konsumzone verlassen.  

Im Alter dehnt sich das Sein in die Stille hinein.


Milena Findeis
Mit fortschreitendem Alter bilden sich Ecken und Kanten im Gesicht


Arbeitnehmerin bei nachstehenden Gesellschaften und Unternehmen:
Österreichring (Spielberg, 1972 -1979)

Schmittenhöhenbahn AG (Zell am See, 1979 – 1984)
Österreich Werbung (Frankfurt: 1984 – 1990, Prag: 1991 – 2000, 24.12.1992, Geburt J.)
Grandhotel Bohemia (Prag, 2001) – (Eine Frau der ersten Stunde Radio Prag, Bettina Schlener)
Hotel Josef & Maximilian Hotel (Prag, 2002 – 2012)


Danach den Weg in eine andere Lebensform – fernab von Motorsport, Tourismus und Marketing – gefunden: dazu gehörte die Pflege einer 91jährigen Dame, Reisen in die Ukraine, Rumänien (Foto: Dezember 2017, Elijah, Hosman, Foto: Angela King), Bulgarien, Türkei, Kefalonia.
Ab 2008 Zeitzug Herausgeberin vom Zeitzug, begleitet vom Auge und einem Kameraobjektiv
Meridian Czernowitz 2022 - Gedichtzyklus Zersetzendes Jahrtausend
 
Seit März 2022 Assistentin für die Mutter (Jahrgang 1939) in Zeltweg, regelmäßiges Pendeln per Bahn zwischen Prag und Zeltweg. Nach dem Sturz der Mutter am 23.2.2025 bis 5. 4. Pflegedienst in Zeltweg. Danach wieder je nach Bedarf, der Rucksack ist stets gepackt, die Fahrt von Prag nach Zeltweg per Bahn dauert 9 Stunden. 
Der Pflegedienst in Zeltweg, der Balkon in der Prager Gartenstadt reduziert das Schreiben, das Fotografieren – Danke an Kate Tsurkan vom Apofenie Magazin für die Übersetzung von fünf Gedichten, September 2025. Teilnahme mit drei Texten an dem Archipel-Projekt Mini Fabula, November 2025
Über die leise, aber anspruchsvolle Praxis, dem Wesentlichen im eigenen Leben näherzukommen. Ein Gespräch mit Armin Jäger, Jänner 2026


*Titel eines Beitrags von Christopherus Wrk


Fotografie: www.zeitzug.orgAugnerin

Petr Tomaides wurde mit der Produktion des Videos »Zeitzug« beauftragt, es zeigt eine lokale Bahnstrecke in Prag, TRAT' 122

 

 

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