Notiert

HEITER

Pak je tu slovíčko “heiter”, které tak vroucně miluji. Heiter není veselá, ano radostný. Heiter je něco, pro co není v češtině výrazu. 
Dann ist da das Wort “heiter”, dass ich sehr liebe. Heiter entspricht weder glücklich, noch fröhlich. Heiter entspricht etwas, für das es im Tschechischen keinen Ausdruck gibt.

Das schrieb Milena Jesenská in ihrer Glosse in der Zeitung “Narodní Listy” am 1.7.1926.

 

Milena FindeisAm 10. August 2017 jährt sich Milena Jesenskás Geburtstag zum 131. Mal. Ich sitze auf dem Boden in einem noch leeren Dachgeschoss in Prag. Rundum von Staub umgeben greife ich zu mir lieben Erinnerungen. Geplant hatte ich, meinen sechzigsten Geburtstag in Berlin zu verbringen. Mit Ana in Schöneberg, von Café zu Café schlendernd, plaudernd. Die Wirklichkeit setzte sich über den Plan hinweg. Die Renovierung des zukünftigen Arbeitsplatzes - gleichzusetzen mit Lebensraum - dauert um vieles länger, als geplant.

Ich lerne diese Änderungen anzunehmen, dabei öffnet sich der Horizont - jenseits der Vorsicht. Verhaftet sein im Tun und Lassen — das Wünschen verabschieden. Rückwärts betrachtet entsprachen Wünsche immer mehr den Vorstellungen der anderen. Eigenes ist von dieser Last der Erwartung zu befreien. Einen Sensor für das eigene Empfinden entwickeln. Von den prägenden Vorbildern loskommen, das entwickelt sich mit zunehmendem Alter.

Gerda_GedenkenIn  Prag bin ich Gerda  begegnet, “heiter weiter” hat sie gelebt, vielen Schwierigkeiten trotzend. Ihr proste ich in Gedanken zu, mit einem Glas Federweißer. Am 10. August 2002, drei Tage vor dem großen Hochwasser saßen wir gemeinsm mit Asia und Ingrid am Moldauufer, wälzten Pläne - einige wurden von den Wassermassen begraben, andere leben weiter in mir. In leisen Zwiegesprächen.  In Gedanken wandere ich zu Hana, sie wäre am 9. September dieses Jahres fünfzig geworden. Wir haben einander meist mit Rotwein zugeprostet.  Diese fein gesponnen Fäden aus Zuneigung helfen - das Herz zu weiten.

Meine Großmütter sind beide jenseits von neunzig Jahre verstorben. Die Großväter um vieles früher. Der Vater kurz nach seinem Sechziger. Die Mama hat in meinem jetzigen Alter ein zweites Mal geheiratet, ist nach wie vor aktiv in Garten, Küche und verschiedenen Vereinen.

Unverhofft wieder einmal dem Vater des Sohnes begegnet. Der Sohn gleicht im Aussehen dem Vater vor fünfundzwanzig Jahren. Das vermag mich aus dem gewohnten Blickangel zu heben, sich damit in der Tiefe auseinanderzusetzen hilft mir beim eigenständigen Aufstehen und beim Ausschalten des Wunschmodus. Jeder von uns hat sich weiterentwickelt, in andere Richtungen halt. Manche Momente bleiben verbunden durch herzhaftes Lachen, ohne besitzergreifendes Anhaften.

Meine Schwester, Baujahr 1967, segelt voller Tatendrang neuen Herausforderungen entgegen. An meinem vierzigsten Geburtstag klingelte sie, begleitet von ihrem Ehemann und unserem Bruder, in der Prager Gartenstadt mit einem Picknick Korb unterm Arm. Sie kennt mich und meine Abneigungen gegen Feierlichkeiten gut. Dieser Nachmittag im Garten, sie rauschten am frühen Abend wieder Richtung Graz ab, steht jetzt in mir auf. Ihnen proste ich mit Bier zu.

Unvergessen wie im  Sommer 1992 mein jüngerer Bruder im Ländle einen gebrauchten Golf für mich kaufte, mir diesen persönlich nach Prag überstellte. Da die Bludenzerin einer in Prag "Aushäusigen" kein Auto verkaufen wollte mußte mein Bruder selbst das Auto kaufen. Der Papierkram - wenn der Amtsschimmel zweier ehemaliger k.k. Länder wiehert - unvergesslich. Das unverwüstliche Auto wurde 2011 verschenkt, es tut noch immer seinen Dienst. Ich brauche keines mehr, geschult durch den eisenbahn-verrückten Sohn, finde ich jetzt mein Auslangen mit dem öffentlichen Verkehrsnetz.

Ein einziges Mal, habe ich zu einem Fest eingeladen - es war rund um meinen fünfunddreißigsten Geburtstag. Die Eingeladenen wussten weder etwas von meinem Geburtstag, noch von meiner Schwangerschaft. Ich wollte meiner Freude und meinem Dank Ausdruck geben. Mit fünfundreißig Bekannten, kurzfristig eingeladen wurde gegessen, getrunken, Gitarre gespielt und gesungen. Niemand hielt Reden und Ansprachen, ein zwangloses Beisammensein. 

sechzigWenn die Handwerker ihre Leitungen verlegt haben werden, die Wände verputzt worden sind, werde ich mit dem Aufräumen beginnen. Zeit, den Rest von verbliebenen Erwartungen, abzulegen.  Mit einem Glas Schilcher in der Hand umgeben von Bruchstücken zufrieden im Alleinsein. In Gedanken bei jenen die mir lieb sind, fern und nah. Ich sehe jede einzelne, jeden einzeln vor mir - halte inne, ich weiß, wer mit wem kann,  und an welchen Fronten sofort hitzige Auseinandersetzungen ausbrechen. Je größer die Ansammlung, umso verdünnter der Inhalt jedes Gesprächs. Gerne setze ich mich mit jeder/m einzeln zusammen. Angehörige der Fraktion Biertrinker, die strikten Rotwein-Liebhaber, die Gspritzten Anhänger, die Raucher und die Nichtraucher. Jene die eine Curry, Knoblauch oder sonstige Allergie haben und jene die nichts ohne diese Beigaben essen wollen. Teetrinker-, Kaffee- und Milchkaffe-Fraktionsmitglieder. Die religiös oder sonstwie Geerdeten, jene mit Familienanschluss, die Freigeister, denen jede Form von Bindung fernliegt. Die Handke Leser und jene, die schon beim ersten zitierten Handke Satz gegen diese Sprachform laut loslegen. Anläßlich der Hochzeit einer Freundin erlebte ich, wie zwei Männer - mit beiden bin ich befreundet - handgreiflich wurden, aufeinander mit Fäusten losgingen. Das ist mir eine Lehre gewesen. Ein Freund schrieb mir, nach dem ein großer Geburtstagsreigen rund um seinen 70er stattgefunden hat “jeder hat sich selber gefeiert, zu einem wirklichen Gespräch ist es mit niemandem gekommen.”

SechzigSechzig Jahre. Ab fünfundfünzig hat sich vieles verlangsamt. Eine Nacht durcharbeiten - gelingt ausnahmsweise, die Folgen sind am nächsten Tag spürbar. Früher habe ich das leicht weggesteckt. Ich schau die Wände um mich an und die ausgehängten Fensterflügel, sie sind älter als ich.  Sie werden renoviert. Löcher, Risse ausgebessert. Neu gestrichen und verleimt. Ein Mietvertrag ist unterschrieben - auf unbestimmte Zeit.

Die Falten mit einem Lachen nach oben richten, das geht. Das Aussehen tritt dezent in den Hintergrund, macht einem einfachen Stil Platz. Im Sommer Leinen, im Winter Wollenes. Reduziert. An die Uhr am rechten Handgelenk habe ich mich gewöhnt. Sie macht alles mit, zieht sich durch Bewegung selber auf. Wenn es still ist, vernehme ich manchmal diesen leicht sirrenden, schwingenden Ton. Wenn ich mich unrund fühle, geht sie nach oder vor. So sind wir miteinander verwoben. Sechzig Sekunden. Sechzig Minuten. Sechzig Jahre. Wie mein Bruder zu mitternächtlicher Stunde schrieb: 525.960 Stunden.  Der Rahmen, in dem ich eingebettet bin. Den langsamen Abbau akzeptieren, abrücken vom Perfektionswillen, dem selten etwas gut genug gewesen ist. Mich einordnen, das ausbauen, was im Bereich des Möglichen ist: den Geist und die Seele nähren, die Gefühle nicht einbetonieren. Die Menschen umarmen, die das gerne zulassen, im nahen und fernen.

 

Milena Findeis

Türkei: Hotel Heimat

Mehmet Said Aydın
Mehmet Said Aydın mit seiner Ehefrau Selin, 2017 in Prag

Mehmet Said Aydın stellte mir Ende März 2017, als er mit seiner Frau Selin in Prag weilte, eine Leseliste zusammen, an erster Stelle setzte mir der türkische Dichter, dessen eigene Wortschöpfungen, ich  in deutscher Übersetzung zu lesen wünsche, den Roman “Hotel Heimat” von Yusuf Atılgan.

 

Ich lerne, dass dieser Roman von der in Wien lebenden Journalistin, Autorin, Übersetzerin Hanne Egghardt ins Deutsche übersetzt wurde und 1985 im Verlag  Galgenberg, Hamburg erschien, jetzt vergriffen ist. Im digitalen Netz erwerbe ich ein gebrauchtes Buch. Es wird mir per Post aus Hamburg geliefert, ich beginne mit der Lektüre und wünsche diesem Buch eine Neuauflage. Gut würde es in das Repertoire des Grenzverlegers Lojze Wieser passen.

Die Routine eines Hotel Leben, das Tag für Tag rund um das Jahr sich wiederholt. Im Äußeren die Rituale, die mit jeder Ausführung den eigenen Willen auslöschen, sich dem vorgegebenen Takt anpassen bis das Mechanische jede innere Regung ausgelöscht hat.  Lese es am Ostersonntag, 16. April 2017, zu Ende — als in der Türkei eine Abstimmung aller Wahlberechtigten stattfindet, um den herrschenden Führer - mit demokratischen Mitteln - zu noch mehr Machtfülle zu verhelfen. Von der Wirklichkeit des Wahlsonntags hinein in den Roman, in ein heruntergekommenes Viertel in Izmir in Bahnhofsnähe, zum dreiunddreißigjährigen Zebercet, der das «Hotel Heimat» führt. Ein Wechselbad in Zeit, Wort und Geschichte.

Seite 1

Er betrachtete das Handtuch auf dem Eisengestell, die Decke am Fußende des Betts, das zerknitterte Leintuch, die Pantoffeln, den Stuhl, die Lampe auf dem Nachttischchen, die beiden vorzeitig ausgedrückten Zigaretten in dem kupfernen Aschenbecher, die Teekanne auf dem Tablett, das Sieb, das Teeglas, die Zuckerstücke auf dem kleinen Teller.

Seite 28

Zebercet blieb nicht stehen. Er ging unter den Bäumen durch, an der Mittelschule vorbei die Straße hinauf. Die  großen, freien Grundstücke waren im Lauf der Jahre mit hohen Gebäuden verbaut worden. …
“Schneiden Sei mir den Schnurrbart ab.”

Der Friseur lachte. “Sie machen aber Witze”, sagte er.

Er faßte die Nase mit zwei Fingern an und rasiert seine Oberlippe. Zebercet öffnet die Augen. Sein Schnurrbart war weg.

Seite 131

Von hinten rangehen und dann einen Tritt ins Kreuz

Einen Schlag ins Genick

Schneidet man den Kopf vom Genick her ab

Zuerst einen Tritt ins Wadenbein

Die Füße zuerst die Füße mit den schwarzen Sohlen

wasch sie doch vor dem Schlafengehen wer weiß wie viele Stücke es gibt bis zur Hüfte

 

Hotel HeimatDer 167 Seiten starke Roman des 1989 verstorbenen Atılgan betäubt mich, wie der Ausgang der Volksabstimmung. An den Rändern der Erzählung, die nicht analysiert, Einzelheiten auflistet sehe ich auf dem Rechner die Wahlergebnisse ticken. Was hat wer entschieden, ausgezählt? Die Folgen des Befundes? - darüber richtet die Zeit, in denen der einzelne Mensch tickt wie eine aufgezogene Uhr. Aufgehängt. Abgehängt. Ergeben all die Einzelheiten einen Zusammenhang?

Der Führer mit Schnurrbart winkt lächelnd, angestrengt.  Die amtlichen Nachrichtensender künden vom Sieg.  Ostermontag 2017.

Ich bin niemand, der den Leuten wichtige Botschaften vermitteln will, und schreibe, wenn mir danach ist. So wie in Briefen: »Hört mal zu, ich erzähle euch hier mal was von ein paar Leuten, vielleicht interessiert euch das auch.« Manche nehmen Anteil daran, wieder andere werfen das Buch weg.” sagte Yusuf Atılgan in einem, seinem letzten? Gespräch mit Mahir Ünlü, erschienen in: Milliyet Sanat Dergisi (Kunst- und Literaturbeilage der Zeitung Milliyet), Nr. 227/1. November 1989. Aus dem Türkischen von Monika Carbe übersetzt.

 

Milena Findeis

 

 

Durchreise

Ece Temelkuran "Euphorie und Wehmut" folgend

Ich bin es gewohnt, Koffer zu packen, mit einem gültigen Reisepass die Grenzen innerhalb von Europa zu queren. Ein Blick zeigt, der Pass wird im Dezember auslaufen. Bei der letzten Reise nach Ankara, erhielt ich das Visa, online ausgestellt. Daran denke ich als ich via BBC Worldservice den Beitrag von Ece Temelkuran vom 17. Februar 2017 höre. Sie erzählt, wie sie in Zagreb lernt, in englischer Sprache zu schreiben. Politische Veränderung erforderten es, nicht nur ihr Heimatland sondern auch ihre Muttersprache zu verlassen. In ihrer Muttersprache dem Türkischen, in der Türkei ist es der Journalistin, Juristin, Autorin - sie wurde 1973 in Izmir geboren - nicht mehr möglich das zu veröffentlichen, für was sie einsteht.

euphorie-und-wehmutIn Berlin Schöneberg, November 2015, kaufte ich in einem Buchladen Temelkurans Buch "Euphorie und Wehmut" (Hoffmann und Campe, aus dem Türkischen übersetzt von Sabine Adatepe und Monika Demirel). Ende April 2015 war ich in Ankara gewesen, hatte als Gast u.a. eine Lesung über Verwaltungsrecht an der Juridischen Fakultät besucht. Dank eines Freundes, der deutsch spricht, aus Izmir stammt, seit Jahren in Ankara beruflich tätig ist, erhielt ich einen Spalt lang Einblick in den Alltag der akademischen Welt. Seit dem verfolge ich die Ereignisse in der Türkei aus einem anderen Blickwinkel. Vor meinem ersten Türkei Besuch versuchte ich, ins Türkische hineinzuhören. Mir wurde klar, dass diese Sprache auf eine andere Logik gründet als jene - der mir geläufigen Sprachen. In der Türkei angekommen verstand ich - ausgenommen der Grußworte - nichts. Erschließen würde sich mir diese Sprache, wenn ich dort bleiben würde, um wieder die Schulbank zu drücken. Die aufkeimenden Pläne, zwischen Ankara und Prag zu pendeln zerbröckelten an der Wirklichkeit.

"Liebende hält man in diesem Land für unanständiger als Streithähne ..." mein Herz nickt diesem Satz (die aus dem Buch "Euporie und Wehmut" zitierten Sätze: kursiv gesetzt) zu. Über den Kopf hinaus bis in die Zehen spürte ich die Liebe in mir, für den Mann, der mir seinen Arm nicht reichen konnte, dem es belesen in Philosophie und Literatur, im Gespräch schwerfiel, den Gedankengängen einer Frau zu folgen. "Das Leben der Menschen in diesem Land befand sich in einem existenziellen Vakuum, es wurde hin- und hergesogen - zwischen dem Gefühl von Überlegenheit auf der einen und dem der Unterlegenheit auf der anderen Seite." Im nachhinein folgt dem erlebten Geschehen das Verständnis, beim Lesen solcher Sätze "Man stritt hitziger über das Schicksal des Landes, als zwei Männer um eine Frau streiten, man weinte mehr als ein von Liebeskummer Gebeutelter und lachte glücklicher als jemand, der nach Jahren einen geliebten Menschen wiedersieht."

Nach dem neuen Duktus, den die AKP, die "Partei für Gerechtigkeit und Aufschwung", und die rechtsliberaleen, intellektuellen Zirkel, aus denen sie entstand, geschaffen haben, ist die neue Türkei gleichbedeutend mit einer "fortschrittlichen Demokratie". Die Partei stellt nicht nur seit 2002 die Regierung, sondern vertieft zunehmend ihre politische und gesellschaftliche Hegemonie und spricht dabei von einer "heiligen Sache". Gegen die Partei zu sein bedeutet, gegen die Idee einer "großen Türkei" zu sein, ergo die "heilige Sache" zu bedrohen. Dann ist man Gegner von Erdogan, der "Boss" genannt wird, als Staatspräsident in einem Palast residiert und das Land in ein Präsidialsystem überführen will. Wenn man bedenkt, dass es in diesem Land Parteimitglieder gibt, die offen verkünden, ihn zu berühren sei eine kultische Handlung, er sei der "Auserwählte", gar der Prophet, und Wähler allen Ernstes schreien: "Ich bin nur das Haar in deinem Arsch", dann haben wir es nicht nur mit einem politischen, sondern auch mit einem soziopsychologischen Problem zu tun."

Im Türkischen Tagebuch schreibt Ece Temelkuran 11. Februar 2017: «Nun ist es offiziell. Am 16.April soll das Referendum stattfinden, das das Land unter ein Präsidialregime stellen soll. «Endlich wird die Türkei ihre Fesseln abschütteln», kommentierte Erdogan die geplante Änderung. Derweil protestieren die entlassenen WissenschaftlerInnen vor der politologischen Fakultät der Universität Ankara – einer legendären Akademie und Kaderschmiede seit dem Osmanischen Reich. «Nieder mit der Tyrannei! Es leben die Freiheiten!», so ihr Slogan. Mit dem gleichen Motto hatten junge, progressive Osmanen zu Beginn des 20. Jahrhunderts gegen die Willkürherrschaft von Sultan Abdülhamid II. gekämpft. Heute wird dieser Sultan von Erdogan-AnhängerInnen verehrt.

In den Büchern stehen einst zwar die immer wiederkehrenden Geschichten repressiver Sultane – doch nichts darüber, dass Tausende feiern, wenn AkademikerInnen ihre Arbeit verlieren.

Aus Protest haben die WissenschaftlerInnen ihre Roben vor dem Universitätsgebäude zurückgelassen. Schamlos trampelt die Polizei darauf herum. Ein weiteres historisches Bild, das beweist: Die Türkei, wie wir sie kennen, gibt es nicht mehr. Ich erinnere mich noch, wie Menschen ihre Jacken respektvoll zuknöpften, als sie ehrfürchtig diese Akademien passierten. Erdogans neue Türkei ist «von ihren Fesseln befreit» und feiert die unstillbare Ignoranz».

ankara-april-2015Wäre es heute noch möglich, dass ein Professor ein Bild des in Warschau knieenden Willy Brandts zeigt, um seinen StudentInnen zu verbildlichen, wie Politiker sich angesichts der Schuld aus vergangenen Epochen verhalten sollten? So gesehen im April 2015 in Ankara. Jeden Morgen, zuerst die Tweets meiner in der Türkei lebenden FreundInnen lesen. Jedesmal kurzes Aufatme, ob eines Satzes, eines Fotos, eines Bildes. Wie sehr sich die Inhalte in den letzten Monaten verändert haben.

Reisepläne schmieden, zurück ins Herz. Sich den eigenen Ängsten stellen und es wieder versuchen: eine neue Sprache zu erlernen.

 

 

Milena Findeis

 

Erkenntnisdurst

Milena Findeis

Das Verstehen-Wollen, es hat mich nach einer Nachdenk-Zeit aus dem stehenden wieder ins fließende Gewässer schwimmen lassen.

Erkenntnisdurst

Jedes starre Gerüst hat neben der Einengung eine Haltefunktion. Die Gewohnheit verstärkt die haltende Funktion, es wird vertraut. Bis zu dem Punkt, wo es kippt. Das Vertraute wird an das Selbsvertrauen gekoppelt. Eine Arbeit, eine Beziehung, eine Umgebung werden durch die Gewohnheit vertraut, überschaubar, berechenbar. Das Aufgehen in abwechselnden Rollen, in die  Pausen gedrängt, die träumende Sehnsucht nach unbedingtem, freiem Sein. Mit einem Mal, allen gewohnten Rollen entledigt (für den Arbeitgeber zu alt, das Kind selbständig, vom Partner getrennt) breitet sich die von Strukturen befreite Zeit aus.

Aus der Beobachtung, mich ängstigenden Spinnen, lernte ich: manche rollen sich zusammen, punktförmig, andere fliehen, strahlenförmig. Mein rollenbefreites Ich rollte sich ein. Ohne Herausforderung verschwamm das wenig Verbliebene. So eingekapselt drangen Verlustmeldungen hinein ins wahrnehmende Bewusstsein. Anderes wurde von der Wahrnehmung ausgegrenzt. Alles Erfahrene kam als Echo zurück. So viele Rollen eingenommen und dadurch nahezu ertränkt: das Sein. Wie dieses Sein definieren? Den verbliebenen Rest an Eigenständigkeit nicht von Ratgebern einebnen lassen. Frau im Wechsel: ein Nachholen an Auseinandersetzung. Lieb war ich selten, angepasst hin und wieder, doch den Mund habe ich mir nie verbieten lassen. Jetzt war er verstummt - wem oder was sollte ich mich widersetzen?

Eine 91jährige pflegend, deren Krankheit - Demenz und Parkinson - mich darin bestärkte, das System der Krankenkassen zu meiden. Die Dame konnte keinen Schritt mehr gehen, keinen Löffel halten, sich an nichts mehr erinnern: Blutdruck, Zucker und andere messbare Werte einwandfrei, so der Befund der Medizin. Ihr Wimmern, Weinen, Klagen wies auf Schmerzen hin und nach mehrfacher Nachfrage wurden schmerzlindernde Pflaster genehmigt. Ich suchte und sammelte Musik, die sie gerne gehört hatte und wenn ich sie ihr vorspielte, huschte manchmal ein Lächeln über ihr Gesicht. Ihr Rücken war gekrümmt, die ganze Gestalt verzogen. Das Einflössen einer Schale Suppe beanspruchte nahezu eine Stunde. Tabletten mussten aufgelöst und eingelöffelt werden. Im Vier-Stunden-Takt. Das starke Zittern erzeugte Töne, die mir nicht aus den Kopf gehen. Das Finale: ein Schattenboxen der zittrigen Arme gegen unsichtbare Geister. Sie hat meine Hand umfasst, sich in ihr festgekrallt - im langsam verebbenden Atmen entspannten sich ihre Gesichtszüge — erlöst vom letzten Atemzug. Behutsam löste ich ihre vom Tod erstarrten Hand aus meiner. Für sie ward es vollbracht: für mich hat "weggehen" einen neuen Sinn erhalten. Die herbeigerufene Krankenschwester informierte den diensthabenden Arzt, um das Ableben zu dokumentieren. Zwei Stunden danach wurde der Leichnam in einen Sarg gelegt. Fahrt ins Krematorium. Die Fenster - zum Abschied - weit geöffnet. In die Stille hineingehört. Kerzen entzündet. In ihre Flammen geschaut bis zum Erlöschen.

Was dem Verlöschen entgegensetzen? In Czernowitz, diesem mich so an meine Kindheit erinnernden Ort, eingetaucht. Ich spreche weder Russisch noch Ukrainisch. Das half, der Begriffswelt zu entfliehen. Mit meinen dem Tschechisch entlehnten Kenntnissen war Kommunikation möglich, wobei die Konzentration auf dem Zuhören lag. Etwas bewegte sich wieder in mir, flackernd. Täglich von der Kamera begleitet, schrittweise. Straßen, Wegen entlang gewandert. Diese Begegnungen, noch immer nicht geordnet, arbeiten in mir. Nicht die bekannten Namen, die in Skulpturen und Gedächtnistafeln verewigt sind, begleiten mich - es sind die nicht geplanten Begegnungen, die in mir weiterarbeiten. Das hat mich darin bestärkt, den eigenen Weg - unabhängig vom Zuspruch anderer - nochmals zu versuchen. Ich lerne wieder - wie im Leben zuvor - der eigenen Intuition zu trauen. Ins Wasser geworfen hilft einzig schwimmen und eintauchen, um ans nächste Ufer zu gelangen. Es nicht zu fürchten sondern es zu tun, darin liegt die Rettung.

An den Wendepunkten meines Lebens stehen und standen Menschen und Bücher. Viktor Frankl "Trotzdem ja zum Leben sagen", ein handsignitietres Exemplar. "Wunschloses Unglück", "Das Gewicht der Welt","Geh über die Dörfer", diese und weitere Bücher von Peter Handke waren die Wegweiser aus der Geschäftswelt hin zum sich verdichtenden Sein.

In der letzten Nacht meiner Tätigkeit in Zell am See, der Schreibtisch leergeräumt, blätterte ich im Wirtschaftsmagazin "Trend". Das Auge angezogen von einem Jungen, der auf einem Müllberg in Brasilien steht. Dieses Bild bewog mich, den ersten Leserbrief zu schreiben. Ich adressiere ihn an den Trend, gemeint habe ich den Jungen und seine Vorstellung vom Glück. Bedingt durch den Umzug erhalte ich den Brief des damaligen Trend-Chefredakteurs, Helmut A. Gansterer, mit einer einjährigen Verspätung. Es ward beabsichtigt, aus meinem Leserbrief eine Glosse zu machen. Anstelle der Glosse entstand ein Briefwechsel. Eine der Impulse dieser Korrespondenz: ich kaufte mir meine erste Kamera und begann mit dem Knipsen. Davon erzählt der Essay "Das reine Licht" von Christophorus Wrk alias Helmut A. Gansterer.

In Frankfurt traf ich während der Frankfurter Buchmesse an der Spiegel Bar Hans F. Krebs, Ausgangspunkt des Gespräches war die, sich als Lauffeuer verbreitende Nachricht vom tot in einer Züricher Hotel-Badewanne aufgefundenen Uwe Barschel. Der Diskurs über die Gesellschaft mit Hans F. Krebs wurde fortgesetzt. Wie auch jener mit Rupert Riedl. Eingeladen zu einer Buchpräsentation "Die Gärten des Poseidons" saß ich da, hörte zu und kam aus den Staunen nicht heraus. Stellte Frage, angeleitet von meiner Unwissenheit - ich hatte keines der Bücher des Wissenschaftlers, gelesen. In beiden Fällen hat meine Unbelesenheit bei gleichzeitigem Erkenntnisdurst zu Freundschaften geführt, die mein Wissen, noch nach dem Ableben von Hans F. Krebs und Rupert Riedl belebt und nährt.

Die Art und Weise wie sich Czernowitz in mein Gedächtnis eingegraben hat - ein weiterer Erkenntnisgewinn. Das geschah über Prag, wo ich im Jahre 1991 gelandet war. Meine Sprachsehnsucht angefacht von Milena Jesenská, Jan Skácel, Milan Kundera, Václav Havel, Franz Kafka, Vílem Flusser und Bohumil Hrabal zog mich nach der samtenen Revolution nach Prag. Eine neue Sprache im Alter von 35 zu lernen durch die Arbeit, das Alltagsleben. Neue Aufgabenfelder breiteten sich aus vor mir.

Begegnet bin ich dort u.a. den aus New York stammenden Dichter und Präsidenten des Prague Writers' Festivals Michael March. Ihm ist nicht das Tschechische - sondern die Literatur als solche - das Maßgebende in seinem Leben. Durch ihn lernte ich die Kontinente eines Paul Celan, Aharon Appelfeld, David Grossman, Per Olov Enquest, Igor Pomerantsev, Paul Auster, Peter Stephan Jungk, Robert Menasse, einer Herta Müller schätzen.

Im Jahre 2000 begegnete ich in Prag - gefangen in einem Aufzug der aus Warschau stammenden Journalistin Joana Radzyner, im Grandhotel Bohemia Gerda Neudeck, während einer Lesung der Schriftstellerin Hana Androniková. Daraus entstanden Freundschaften und das Eintauchen in für mich neue Welten. Damals war ich federführend in leitender Funktion in der Hotelbranche tätig. Die Ziele des Arbeitsgebers: ganzjährige Auslastung des Hotels bei möglichst hohen Erträgen und niedrigen Ausgaben, die Rekrutierung und Ausbildung von Mitarbeitern, der Umgang mit Gästen. Die zehn Jahre währende Herausforderung endete im Jänner 2012: ich hatte mich selbst wegrationalisiert, als älteste Mitarbeiterin eines jungen Teams. Mit 55 Jahren der Riss, der Stopp. Bilanz gezogen: den Lebensstil ändern. Die Mietwohnung, die die Hälfte des monatlichen Einkommens beanspruchte, gekündigt - Reduzierung auf ein Zimmer. Auto, Möbeln, Bücher, Kleider, Geschirr wurde verschenkt. Ich rechnete mir aus, wie lange meine Ersparnisse reichen würde - um einfach zu leben und startete den Versuch, der bis jetzt andauert.

"Was machen Sie?", die meist gestellte Frage, wenn ich Bekannte aus einer der vorangehenden fünfundvierzig Jahre währenden Berufswelt treffe. Antworte ich mit "Menschsein" ist das Gespräch in den meisten Fällen schnell beendet. Für die auf Effizienz geschulte Arbeitswelt bin ich zu einer Außenseiterin geworden. Es gibt jede Menge zu tun, der einzige Unterschied: ich werde dafür nicht mehr bezahlt. Ich entscheide aus dem Moment heraus: ist es mir wert, dass ich meine Zeit dafür verwende? Neues zu lernen, mit meiner Umwelt und mir aus einem neuen Blickwinkel betrachtet, umzugehen. Immer wieder lande ich im Alleinsein, befürworte dieses. Handke schrieb im Gewicht der Welt "Außerhalb der Meinungen der anderen zu gelangen". Diesen Weg will ich im Alltag fortsetzen - angeleitet von "Neugierde und Staunen", Rupert Riedls Buch, das auf sein erkenntnisreifes Leben zurückschaut und Hana Andronikovás Auftrag: an der Freude, nicht achtlos vorüberzugehen.

Prag, Jänner 2017

 

Schuld und Sühne - Verbrechen und Strafe - Übertretung und Zurechtweisung - Der Gespaltene?* 

OSIP MÍŘÍ NA JIH

MARIE ILJAŠENKO: Sprachspuren, verdichtend

Ich treffe Marie in einem kleinen Café in Žižkov. Unser Gespräch entwickelt sich im Tschechischen. Das ist die Sprache, in der Marie, 1983 in Kiew geboren, ihre Gedichte schreibt. Die ersten Kindheitsjahre waren Russisch geprägt. Als sie in Kiew eine von ihren Eltern ausgewählte ukrainische Schule besuchte, war das für sie ein Schock. Der Schock bezog sich auf die ukrainische Sprache, die sie in ihrem Elternhaus nie vernommen hatte und in der Schule gesprochen wurde. Diese Art von Sprachschock wiederholte sich beim Umzug nach Prag, Anfang der 90er Jahre. Iljašenkos Urgroßvater väterlichseits hatte tschechische Wurzeln und ihr Vater folgte einem Aufruf von Präsident Havel, nach der Samtenen Revolution, nach Tschechien zurückzukehren. Mütterlicherseits reichen die Wurzeln nach Polen. Zwischen sich wechselnden Sprachen und Ländern, die sich  selber innerhalb ihrer Grenzen in den letzten drei Jahrzehnten verändert haben, nimmt in Maries Welt Heimat keinen ortsspezifischen Raum ein.

Marie, bewegt, wenn nicht reisend, Orte und Räume herbeischreibend.

Osip

Osip, erzählt sie, so hieß ihr blauer Vogel, der eine Verbindung aus der Ferne zu Mandelstam herstellt. Gedankenreisen komprimieren und abstrahieren, das ist was Marie in der Lyrik findet.

In Prag arbeitet sie für einen Verlag, editiert Bücher und zuweilen übersetzt sie aus dem Russischen, Polnischen, Ukrainischen. Im September 2016 erschien der von ihr aus dem Ukrainischen ins Tschechische übersetzte Essayband Ukraine im Maßstab 1:1.

Das mir nahe Czernowitz kennt sie, Verwandte von ihr leben in der Nähe von der Stadt in der Westukraine, die zu k.u.k Zeiten als Klein Wien bezeichnet worden ist. Mit Freundinnen ist sie in einem Kaffeehaus unter einem Bild von Kaiser Franz Josef gesessen. In der Geburtsstadt von Paul Celan, der u.a. Gedichte von Ossip Mandelstam ins Deutsche übersetzt hat.

marie_iljasenkoFür das Motto des diesjährigen Prague Writers’ Festivals “Schuld und Sühne” fehlt ihr der Bezug. Bestrafung führe nicht in eine bessere eine Welt, es erinnere sie an die Bedeutung von Schuld in der katholischen Kirche, deren Weg durch Opfer gekennzeichnet ist. Das ist nicht ihre Welt. Marie geht auf Distanz  zu politischen Äußerungen.  Nach dem Prager Festival, an dem sie als Dichterin teilnimmt,  wird sie den November in Wiesbaden verbringen. Eine Annäherung an die deutsche Sprache probieren. Erste Erkundungen über “der, die, das” verwirren sie.

Wenn es der Körper erlaubt, läuft Marie gerne - weg vom Winter, weg von der Kälte. So werden wärmende Sonnenstrahlen zu einem Dach, ohne Ortsangabe, untermalt vom Zwitschern des Vogels.

 

Milena Findeis
Prag, September 2016

50 Jahre Stadt Zeltweg

Weg und Wege

Juli 2016, ©Milena Findeis

Zeltweg KircheEs war im November 1963, nach meiner Einschulung in der Volksschule Straßgang bei Seiersberg (angrenzend an Graz), als meine Familie nach Zeltweg zog. Von den Dörfern Pirka, Windorf, deren Bewohner damals fast ausschließlich von der Landwirtschaft lebten in einen Ort, wo die Soldaten (Fliegerhorst Hinterstoisser) und die Arbeiter (NAPIAG, ÖDK) dominierten. Mein erster Schulweg von Windorf nach Straßgang rund sieben Kilometer zu Fuß. Dreimal wurde ich von Erwachsenen begleitet, dann ging ich den Weg alleine. In Straßgang lernte ich bei der Einschulung in Großbuchstaben zu schreiben, in Zeltweg erfolgte der Einstieg in die erste Klasse der Volksschule über die Schreibschrift. Es gab zu wenig Unterrichtsräume, so hatten wir eine Woche am Vormittag Unterricht, die darauffolgende am Nachmittag. Der Schulweg in Zeltweg hatte sich auf zwei Kilometer verringert. Winters sanken die Temperaturen in dem inneralpinen Becken, einem Längstal der Mur, auf bis zu minus 25 Grad Celsius. Der Moment in dem meine vorwitzige Zunge an einem solch frostigen Tag an einer metallenen Türschnalle andockte ist mir heute noch in Erinnerung, mit ein Grund, warum ich von da an Distanz vom Eisigen, Frostigen gehalten habe. Morgens in der Dunkelheit durch die noch nicht vom Schnee geräumten Wege stapfen oder sommers bei plus 35 Grad Celsius in der Mittagszeit in die Schule gehen. Ich träumte von unterirdischen Gängen, die mich direkt vom Haus in Schule leiten würden. Daran erinnere ich mich zuweilen wenn ich heute in Prag die Metro benutze: es ist der kühlste Ort im Sommer, ein leicht temperierter im Winter.

Der Familienname Findeis, meines Wissens deutscher Herkunft. Meine Großmutter väterlicherseits war eine jener Frauen, die - am Fronleichnamstag 1945, von Mähren aus - den Fußmarsch Richtung Österreich angetreten hat. Das habe ich kurz vor ihrem Tod, sie lebte in Schöder, im Jahre 1993 erfahren, nach der Geburt meines Kindes, das die tschechische Staatsbürgerschaft angenommen hat.

FindeisIch wohnte in Zeltweg in einem Reihenhaus einer Siedlung, erbaut nach dem zweiten Weltkrieg von der britischen Armee, die nach deren Abzug, den Unteroffizieren als Mietwohnung angeboten wurde. Gleich hinter dem Garten begann das Kasernengelände. “Tagwache” ein gängiger Morgengruß. Der Appell zum Morgensport war zu hören, werktags. Disziplin und Folgsamkeit prägende Kindheitserinnerungen, die mich darin bestärkten, einen eigenen Weg zu finden. Fahnen, Militärparaden, Bierzeltstimmung - mir jagen sie nach wie vor gruselige Schauer über den Rücken.

Eindrücklich in Erinnerung der August 1968. Nächtens verabschiedete sich der Vater im Tarnanzug mit Helm, die Panzer wurden auf Eisenbahnwaggons an die Grenze der damaligen Tschechoslowakei verschoben - der Prager Frühling war von sowjetischen Panzern niedergeschlagen worden - das österreichische Bundesheer rückte zur Sicherung an die Grenze.

Erstkommunion, Firmung - und jeden Sonntag in der Kirche, wie das Amen im Gebet. Vor und nach der Kirche belebte der Tratsch, die Unterhaltung über Abwesende, den Sonntag. Der Schalldämpfer von Axel Corti stand mir bei, den Sonntag zu übertauchen - anderen Gedanken, als den ortsüblichen, nachzugehen. Einen Standpunkt zu finden, der nicht von “was werden die Nachbarn denken” geleitet wurde und sich abhob von “Autofahrer unterwegs”, einer Sendung die zeitgleich mit der heißen Suppe mittags aufgetischt wurde. Nach dem Erscheinen, im Jahre 1972 wurde “Wunschloses Unglück” von Peter Handke zu dem Buch, das mich bis heute begleitet. Wege aus dem Entkommen taten sich auf. für mich. Eigenständig werden, das Netz der Abhängigkeiten - speziell jenes für Frauen - zu durchschauen und durchbrechen. Eigenes Geld verdienen, stand ganz oben auf der Wunschliste und einen anderen Hafen, als jenen der Ehe, zu finden.

Zeltweg, das mit dem Fliegerhorst Hinterstoisser, erbaut im Jahre 1937, über den größten Militärflughafen Österreichs verfügt war seit 1957 Austragungsort von lokalen und internationalen Motorsportrennen. Das laute Aufbrüllen der Motoren, der Geruch von Gummiabtrieb, Benzin und Öl zog mich an. Die Geschwindigkeit und die Gesetze der Fliehkraft waren für mich gleichbedeutend mit dem Ausbrechen aus einer Gesellschaft, die vorrangig nach lebenslang währender Absicherung strebte. Der Motorsport als Impuls von außen, der ein wenig internationales Flair in die Stadt an die Mur, in meine Jugend brachte um außerhalb des Radius von Kaserne, Kirche und Schule zu gelangen.

Politik? In dem Haushalt, in dem ich aufgewachsen bin, war es ein Fremdwort. Bei der Hausarbeit mitzuhelfen, selbstverständlich, etwas studieren - das, war für ein Mädchen nicht vorgesehen. Mein diesbezüglicher Ehrgeiz hielt sich in Grenzen, die vier Jahre Volks- gefolgt von vier Jahren Hauptschule und einer dreijährigen Handelsschule erschienen mir ausreichend. Zumal ich schon während der ersten Klasse in der Handelsschule mit einem Nebenjob am damaligen Österreichring begonnen habe. Schnell merkte ich, dass es in der Arbeit auf etwas anders ankam als in der Schule: eigenständiges Denken und Handeln. In Zusammenhängen denken. Während einer Großveranstaltung galt es zu kommunizieren, organisieren und improvisieren. Relevantes von Unwichtigem zu unterscheiden. Zuhören können. Die Konzentration auf Lösungen - und nicht das Vertiefen - eines Problems richten. In der damaligen Schulwelt wurde das bestraft. Ich übersetzte Verträge aus dem Englischen, schrieb Protokolle bei Treffen in deutscher und in englischer Sprache. Dieses in der Arbeit benötigte Englisch war weit weg vom Schul-Englisch. Es ergab sich, dass ich während meines ganzen Arbeitsleben nie nach einem Zeugnis gefragt worden bin. Im Abschlusszeugnis der Handelsschule Knittelfeld hatte ich im Unterrichtsfach Englisch einen Vierer.

ZeltwegMein Weg führte mich weg aus einer Region mit einer hohen Arbeitslosenrate. Dem größten Arbeitgeber vor Ort, dem Österreichischen Bundesheer, hat mein Vater als Unteroffizier ein Arbeitsleben lang gedient. Ein Foto von ihm entdeckte ich auf dem Weg zum Rathaus - im Rahmen der 50 Jahr Stadtfeier wurden Schautafeln in Zeltweg aufgestellt. Einem ehemaligen Arbeitskollegen meines Vaters bin ich begegnet, er sagte meine Augen würden ihn an die des Vaters erinnern und die Art, wie ich lächle.

Entlang der Wege und Straßen, die damals von der Kaserne weg zur Schule führten, bin ich 2016 gegangen. Der Bahnübergang, in den 60er Jahren oft geschlossen - wegen des regen Bahnverkehrs, den Verschubtätigkeiten - wurde durch eine überdimensionale Unterführung ersetzt. Die Dimensionen mancher Bauten halten nicht Schritt mit der tatsächlichen Größe dieser kleinen Stadt. Nach dem Umbau des Bahnhofes mit dem Skywalk fahren die internationalen Zügen alle durch, regionale Zügen halten. Es gibt keine Kassa, sie wurde wie auf vielen Bahnhöfen durch Automaten ersetzt.

Die damalige B17 Bar ist einem großen Nachtclub gewichen. Einzelhandelsgeschäfte gibt es so gut wie keine mehr. Cafés, Gasthäuser, Casinos, Wettbüros, ein Laufhaus, Friseursalons, Ärzte, zwei Apotheken, das Gelände der Kaserne, eine evangelische und eine katholische Kirche, der Platzlmarkt, viele Reihenhäuser mit gepflegten Gärten und Zäune prägen das Zeltweg Bild im Jahre 2016.

Meine Wahlkarte als in Prag lebende Auslandsösterreicherin beziehe ich über die Stadtgemeinde Zeltweg, Bezirk Murtal. Wenn ich den Zwiegesprächen in den Cafés lausche “i moag die schwarzen Wutzeln net, die für die Franzosen spielen, schod dass die Deitschen net gewunnen habn” verwundert es mich nicht, dass beinahe 65 % der Wähler am 22. Mai 2016 für den “nationalen” Kandidaten der FPÖ Norbert Hofer gestimmt haben. Der vorauseilende Gehorsam, die Unterwürfigkeit lässt in mir Stimmen hochkommen, die mich an all die nicht verarbeitenden Greueltaten, die voller Inbrunst für einen Adolf Hitler begannen worden sind, gemahnen. Die jubelnden Massen - was haben sie mit einer demokratischen Mehrheit gemein? Wie dem Hass, dem Neid der kleinen Leute erwachsen aus der Angst der nie zum Zug Gekommenen - der wenn sie einmal die Oberhand haben, in Häme und Grausamkeit umschlägt - entgegenwirken? Diese Konzentration auf das Nationale, “Arbeit macht frei”, “Kraft durch Freude”, es wirkt weiter - in den Bierzelten, am Wirtshaustisch “mir san wir”.

Der zerronnene Mut einer offenen Gesellschaft die mehr und mehr einer empörten Wut weicht, deren Kraft allein das Destruktive ist: wie halte ich Neues von mir weg, ohne mich selber ändern zu müssen. Einzig beständig ist die Veränderung. Das wünsche ich denen, die in Zeltweg bleiben und mir der Zugereisten, die sich in der Fremde daheim fühlt.

Edith Findeis, Herbert LeidlmayrP.S. Wenn ich wieder einmal für ein paar Tage in Zeltweg weile, um meine Mama zu besuchen, führt mich der erste Weg auf den Friedhof. Aus Jugendtagen steht bei Mama ein Radl, es hat sich im Gegensatz zu mir nicht verändert. Zum Radfahren ist das Aichfeld gut geeignet. Lieber als die Radwege sind mir die Feldwege, dort bin ich meist allein unterwegs. Im Vorfeld von Großveranstaltungen wandelt sich dann die Umgebung, aus Feldern werden Parkplätze. Zusätzliche Tribünen werden aufgebaut. Wenn ich den Männern zuhöre, klingt es Ungarisch, Slowenisch, Kroatisch. Der aus St. Marein stammende Didi Mateschitz wurde zum Antriebsmotor der Region. Das Projekt Spielberg seine Kreation:  Hotels, Restaurants, Brauereien wurden von ihm gekauft, renoviert, gehen für diese Region neue Wege. Im Wasserturm, ein Teil des Mateschitz Imperiums, trinke ich Kaffee oder Tee, dort treffen sich internationale Gäste, einheimische Geschäftsleute. Im Café MA38, einem der wenigen, das ich noch aus alten Tagen - damals eine Bäckerei - kenne, treffen sich überwiegend PensionistINNen, wochentags. Dort werfe ich einen Blick in die lokale Regionalzeitung. In Kindertagen fiel der Blick meiner Oma zuerst auf die Todesanzeigen. Damals konnte ich das nicht nachvollziehen, heute zwischenzeitlich jenseits von sechzig, verstehe ich es. Im Gegensatz zu früher ist das heute online möglich.

 

 Fotoalbum Zeltweg

PS: Seit 12.3.2020 ist die Grenze zwischen Österreich und Tschechien dicht: Covid-19. Grenzüberschreitende Zug- und Busverbindungen sind während des Ausnahmezustandes eingestellt. Telefoniere regelmäßig mit Mama, die Haus und Garten nicht mehr verlässt.

Wohin, gehst du - Ukraine?

Ukraine Soldaten

Kiew, "Die Sprache des Krieges" Anmerkungen zu einem Symposium der Heinrinch Böll Stiftung

ANA SCHÖNSTEINER: ANA DACAPO

Ana Schönsteiner

"Einer lebenden Künstlerin, nachgerufen"
Ana Schönsteiner twittert ihre Kunstwerke


Ana SchönsteinerAna Schönsteiner kam rothaarig zur Welt, wuchs rothaarig auf und lebte ein rothaariges Leben. Was feuerrotes Haar im katholischen Franken mit weit zurückliegenden abergläubischen Wurzeln bedeutet, wissen diejenigen, die es angeht und jene Forscher, die sich mit Aberglauben, Volkstum und Bräuchen beschäftigen. Die Germanen warfen rote Eichkatzen lebend ins Feuer. Ana lebte sowohl erzwungen wie aus eigenem Wesen ein ungebändigtes Leben.

Um dieses Leben, das die Quelle ihrer Kunst ist, zu charakterisieren, ohne etwas daraus zu erzählen / verraten, weist der Verfasser dieser Zeilen / Nachrufs zu Lebzeiten auf folgenden Umstand hin. Sollte es einen Himmel geben, in den nicht alle, eigentlich die Wenigsten Einlaß finden, aber Ana Schönsteiner. Sie gehört zu jenen Sünderinnen, für die die Tore der Himmel immer weit offen stehen, weil sie immer zu viel von jener Liebe gaben: und könntest du mit Engelszungen reden und hättest der Liebe nicht, ... Zuviel von diesem Herzen zu besitzen, das kann nur der Himmel wieder gut machen.

Ihre Kunst fällt in jenen Kreis von Arbeiten, die wir art brut nennen. "brut" nicht als brutal, sondern als natur, als wild, naiv, ungekünstelt. Autodidaktisch sind diese Arbeiten insofern, wie man sagen muß, daß altsteinzeitliche Jäger, die die Höhle von Lascoux ausmalten, keine akademische Ausbildung hatten. Sie hatten eine einzigartige Begabung, ein lebenslanges Üben und einen starken Willen nach einem Zauber. Nahezu alle Arbeiten Ana Schönsteiners weisen das eher seltene Vorkommen jener Linie auf, die unter Malern und Kunsthistorikern "line of beauty and grace" heißt. Was bei den Magiern der steinzeitlichen Jäger ein Jagdzauber war und bei den späteren Malern die Magie einer Linie aus Schönheit und Grazie, ist bei Ana Schönsteiner die Linie aus Schönheit, Grazie und Schmerz. Sie besitzt diese Linie und ist von dieser Begabung nie verlassen worden, an keiner Streichholzschachtel, die sie bemalte, an keinem Gemälde, an keiner Zeichnung die ihr aus der Hand floß.

"Viva la vita"

Ana SchönsteinerDie Stationen ihres Lebens liegen in Königsfeld, Bamberg, Hamburg und Berlin. Von 1983 bis 2003 lebte sie zwanzig Jahre in Hamburg. Löwenstraße, Verbindungsbahn, Marthastraße. Heute lebt Ana Schönsteiner in Berlin.
Eine Quelle ihrer Arbeiten ist ihr persönliches, das ist unser aller Leben. Diese Quelle fließt spontan. Sie zeichnet und coloriert auf der Wiese, in Lokalen, im Zoo, am Schlachtensee, bei Lesungen, wo auch immer.
Das andere sind die großen Themen aus Literatur und Mythologie, von wo aus sie loszieht und wohin sie immer wieder zurückkehrt um angeregt und systematisch an ihnen zu arbeiten. Orpheus und Eurydike, Isis und Osiris, Dantes Göttliche Komödie, um nur einige zu nennen.
Eine dritte Quelle sind Frauenpersönlichkeiten, die Bachmann, Christina von Schweden und ungezählte andere.
Das Vierte ist der Katholizismus, der sie prägte, auch in der Ketzerei. Ihn ihren Arbeiten zeigt sich die Sinnlichkeit des katholischen Ritus, die Phantasmagorie einer Welt von Licht- und Erlösergestalten, das Martyrium, das Lamm, die Seligsprechungen, die Verdammnis. Kirchen bleiben ein Zufluchtsort in ihrem Leben.

In Ana Schönsteiners Arbeiten amalgieren diese Quellen zu einer Einheit, deren Lobpreisung bei ihr selber schlicht lautet: "Viva la vita"Ana Schönsteiner lebt von ihrer Kunst.

 

© Michael Järnecke


Ana Schönsteiner, Art-Brut-Künstlerin

ANA SCHÖNSTEINER

* 1952 geboren in Königsfeld, lebt seit 2002 in Berlin Schöneberg
Stationen/Ausstellungen/Projekte (Auswahl)

 


Ana Schönsteiner1977 Mit Zeichnungen, Ich-Lyrik, Ausstellungen auf Kunstgang geschwenkt
1982 "Einfach so...", Grafik und Gedichte in einem Buch, herausgegeben vom Ladewig Verlag, Bamberg
1984 Umzug nach Hamburg. Einzelausstellungen, Lesungen, Performances; Zusammenarbeit mit Musikern, Schauspielern und Kunstfreunden; bühnenreife Spektakel werden gezeigt
Ausstellung zu "ROMA AMOR"-Serien, Galerie "heimart" Hamburg. "Der Kreis geht auf den Strich". Die "Eintagsfliege" schaut von der Bühne, 12 Stunden-Präsentationen an ungeahnten Orten
1989 -1999 Italienreisen: Rom, Palermo, Florenz, Sardinien: die Geschichte und die Geschichten ergeben "History-Surfing- Monologmoloche" - Bühnenauftritte, die mit Ausstellungen verbunden werden
1994 mietet Ana zwei Hamburger Galerien (KÖ I und Schaufenster-Galerie) und arbeitet vier Wochen vor Ort im Schaufenster mit zehn eigenen Veranstaltungen; holt 20 Mitstreiter heran und nennt das Ganze "Viva la Vita".
1995 Unikatbücher und Buchobjekte, arbeitet mit und über Textelementen von Dante, Ingeborg Bachmann, Pablo Neruda, KIKI Paris. Kampnagel-Fabrik Hamburg: Performance "Denken allein hilft nicht"; Museum für Lüneburgsche Geschichte: Performance "Ein Rundstück mit Herz"
Ana Schönsteiner1996 gründet Ana das Duo »Harfe & Pinsel« mit Almut Starke: Shows auf Kleinkunstbühnen, u.a. Foolsgarden Hamburg, Thea-Lit Bremen
1997 Einzelausstellungen, Eintagsfliegen-Präsentationen in Schreinerwerkstätten. Fritz Noak & Freunde, Gemeinschaftsausstellung Galerie "KÖ I" HH; Fritz Noak engagiert Ana für eine Rolle in seinem Film-Zwölfteiler
1998: Einer Paris-Reise folgt eine Bilder- und Präsentationsflut
2001 zweiter Paris-Aufenthalt: Ausstellung vor Ort, Frottagen mit Malerei und Textfragmenten. Der Lebensunterhalt wird bestritten als Köchin für Kinder aus aller Welt in der Diakonie Hamburg Altona
2002 zieht Ana nach Berlin, Überlebenskampf. "Veneziana" Crellestraße Berlin. Erste Zusammenarbeit mit dem Pianisten Wolfgang Friedl, es werden vier CDs mit dem Label "Siebenschläfer" produziert
2003 "Das Rätsel der blauen Bananen" Abendessen und Tombola im Lokal Antiqua; Eventcharakter, geladene Gäste, gleichzeitig Präsentation der neuen Bilder. "WeinLese", eine Roma-Amor Performance, Crellestraße Berlin
2004 "Frauen sehen Frauen" Galerie Kühn, Bremen Lilienthal. Ausstellung und Performance, Galerie Ideenreich, Berlin, Pariserstraße
2005 Auftritte in der Hendrickx Bar Berlin mit Piano-Performance. Galerie Sturmwerke, Berlin Albrechtstrasse Gemeinschaftsausstellung "Nowak", Performance mit Lesung und Piano by „Lucky`Pizzeria“, Willmannsdamm
2006 "Hand aufs Herz" Performance, CDs: "Heimweh & Zirkussblut", "SAMTPROVIANT"
2007 "Granatapfel" Zyklus und "Anaeske Amazonen". Private Präsentationen. Dozenten-Job für kreative Technik und ungewöhnliche Kommunikations-Strategien. Kunstfest III/ Galerie Borchert & Schelenz
2008 Arbeiten für das "Museum der Wahrheit" Michael Järnecke, Horneburg/Issendorf. "Ich maile, also bin ich", Unikat Künstler-Email Tagebuch WORTFIEBER

 

Seit 2009 werden täglich Bilder (A 4 Format) gemalt, signiert, fotografiert und - getwittert, frei nach Ana Schönsteiners Motto "Galerist/innen sind mehr denn je meine Leibspeise"

Aufmerksam wurde ich auf Ana Schönsteiner im Oktober 2013, als ich eingesperrt im Wortsinne (das Türschloß ließ sich nicht öffnen) in der Wohnung von Meridian Czernowitz auf meine Befreiung wartete. Da entspann sich auf Twitter ein bebildeter Dialog. Seitdem tauche ich regelmäßig und gerne in die von Ana skizzierten, gemalten Bilder, Zeichnungen und Objekte ein. Sie hat mir eine neue Kunstform eröffnet: gemalte Twitter-Bilder. Meine Kamera und ich besuchten Ana erstmals im November 2015 in Berlin Schöneberg: Anas Bilderbogen

Bellaroccas Bilderkinder

Mitten im Sommer 2019 trifft in Prag eine Bildersendung von Ana Schönsteiner aus Berlin ein: mit "Bilderkinder" betitelt die Art-Brut-Künstlerin ihre Sendung.

"Handle with care": Bild für Bild auf dem Teppich ausbreiten, anschauen, ablichten - für die Rundschau, den Überblick.

Es ist nicht Platz genug, um alle Bilder im A-4-Format, zu hängen, es fordert die Phantasie heraus, neue Formen zu finden: mit Bindefäden an Kleiderhaken, in Wechselrahmen, sie einzeln in hölzerne Schaukästen stellen, mit Wäscheklammern an Drähten zu fixieren. Ein Teil ruht in einem mit Samt ausgeschlagenen Karton, die anderen bewegen sich mitten im Lebensraum, werden je nach Tagesverfassung neu gehängt, ausgetauscht - vom Wach- in den Schlafmodus. Der Phantasie der Künstlerin und ihren Bilderkindern Raum geben - im Alltag.

In der Nacht vom 28. auf 29. März 2020 beginnt Ana Schönersteiner mit einem neuen Bilderzyklus "Drei Kreuze" der getwittert wird.

"aus 3 kreuzen ein plus machen" das macht Ana, in Eigendefinition "Bonsairentnerin"  in Berlin, nach einer Fraktur des linken Arms im Februar 2020, einhändisch.

Corona-Ostern 2020 ins Bild gesetzt , Ana Schönsteiner "Hasen anaesk" 

Anlässlich der "Tage der deutschsprachigen Literatur"  greift Ana während der Lesungen, die sie über ihren Bildschirm in Berlin mitverfolgt, zu Pinsel und Farbe und setzt ihre Kopfbilder auf Papier in Szene.

 

Milena Findeis


Anas Welt in Bildern - ein Bruchteil ihres Œuvres

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Remember Maidain

Ukrainian Poets, Writers, Artists & The People  

Igor Pomerantsev: 
'The war with Russia is hybrid, but the blood that flows is real'
September 2015

 

Gustav, Prince (Murza) of Moscow, has issued a decree setting the Ukrainian language on an equal footing with Russian in the principality of Moscow. The Institute of Genetic Linguistics of the Western Hemisphere had earlier established that the Ukrainian language facilitates the production by the brain of the enzyme of tolerance and philanthropy. Scientist believe that granting the English language official status in the principality of Moscow could result in psychological breakdown and lead to unpredictable consequences. Igor Pomerantsev, MYOPIA

 

REMEMBER MAIDAN 
While Ukraine still mourns the victims of EuroMaidan anti-government protests in Kyiv, four Moscow-based designers and web programmers launched Remember Maidan, a website that commemorates the activists killed in the clashes between police and protesters. The team members are Russians and had nothing to do with Ukrainian protests, but thought "it was important to show the real death toll."

 


 


I
lya Varlamov

In the last days I received multiple requests to translate my posts for foreign readers, as they have very limited information about the happenings in Ukraine. This material describes events which took place in Kyiv on January 22 and 23. Sharing and distribution is appreciated.

 


 

Yurii Andrukhovych
Yurii Andrukhovych

Dear friends,  

The most important things I must tell you are as follows.

During the less than four years of its rule, Mr. Yanukovych’s regime has brought the country and the society to the utter limit of tensions. Even worse, it has boxed itself into a no-exit situation where it must hold on to power forever—by any means necessary. Otherwise it would have to face criminal justice in its full severity. The scale of what has been stolen and usurped exceeds all imagination of what human avarice is capable.

The only answer this regime has been proposing in the face of peaceful protests, now in their third month, is violence, violence that escalates and is “hybrid” in its nature: special forces’ attacks at the Maidan are combined with individual harassment and persecution of opposition activists and ordinary participants in protest actions (surveillance, beatings, torching of cars and houses, storming of residences, searches, arrests, rubber-stamp court proceedings). The keyword here is intimidation. And since it is ineffective, and people are protesting on an increasingly massive scale, the powers-that-be make these repressive actions even harsher.

The “legal base” for them was created on January 16, when the Members of Parliament fully dependent on the President, in a crude violation of all rules of procedure and voting, indeed of the Constitution itself, in the course of just a couple of minutes (!) with a simple show of hands (!) voted in a whole series of legal changes which effectively introduce dictatorial rule and a state of emergency in the country without formally declaring them. For instance, by writing and disseminating this, I am subject to several new criminal code articles for “defamation,” “inflaming tensions,” etc.

Briefly put, if these “laws” are recognized, one should conclude: in Ukraine, everything that is not expressly permitted by the powers-that-be is forbidden. And the only thing permitted by those in power is to yield to them.
Not agreeing to these “laws,” on January 19 the Ukrainian society rose up, yet again, to defend its future.

Today in television newsreels coming from Kyiv you can see protesters in various kinds of helmets and masks on their faces, sometimes with wooden sticks in their hands. Do not believe that these are “extremists,” “provocateurs,” or “right-wing radicals.” My friends and I also now go out protesting dressed this way. In this sense my wife, my daughter, our friends, and I are also “extremists.” We have no other option: we have to protect our life and health,as well as the life and health of those near and dear to us. Special forces units shoot at us, their snipers kill our friends. The number of protesters killed just on one block in the city’s government quarter is, according to different reports, either 5 or 7. Additionally, dozens of people in Kyiv are missing.

We cannot halt the protests, for this would mean that we agree to live in a country that has been turned into a lifelong prison. The younger generation of Ukrainians, which grew up and matured in the post-Soviet years, organically rejects all forms of dictatorship. If dictatorship wins, Europe must take into account the prospect of a North Korea at its eastern border and, according to various estimates, between 5 and 10 million refugees. I do not want to frighten you.

We now have a revolution of the young.
 Those in power wage their war first and foremost against them. When darkness falls on Kyiv, unidentified groups of “people in civilian clothes” roam the city, hunting for the young people, especially those who wear the symbols of the Maidan or the European Union. They kidnap them, take them out into forests, where they are stripped and tortured in fiercely cold weather. For some strange reason the victims of such actions are overwhelmingly young artists—actors, painters, poets. One feels that some strange “death squadrons” have been released in the country with an assignment to wipe out all that is best in it.

One more characteristic detail: in Kyiv hospitals the police force entraps the wounded protesters; they are kidnapped and (I repeat, we are talking about wounded persons) taken out for interrogation at undisclosed locations. It has become dangerous to turn to a hospital even for random passersby who were grazed by a shard of a police plastic grenade. The medics only gesture helplessly and release the patients to the so-called “law enforcement.”

To conclude
: in Ukraine full-scale crimes against humanity are now being committed, and it is the present government that is responsible for them. If there are any extremists present in this situation, it is the country’s highest leadership that deserves to be labeled as such.

And now turning to your two questions which are traditionally the most difficult for me to answer: I don’t know what will happen next, just as I don’t know what you could now do for us. However, you can disseminate, to the extent your contacts and possibilities allow, this appeal. Also, empathize with us. Think about us. We shall overcome all the same, no matter how hard they rage. The Ukrainian people, without exaggeration, now defend the European values of a free and just society with their own blood. I very much hope that you will appreciate this. 

Yurii Andrukhovych

translated by Vitaly Chernetsky

 


  

We are not extremists!
Open letter of the Ukrainian scholars, scientists, artists, doctors, lawyers, pedagogues, and journalists
During the past several days the protests of Ukrainians against the policies of the Ukrainian government have taken on a new quality. The peaceful demonstrations turned into a forceful confrontation between the protesters and the police. For the past six days, in the government quarter at the heart of Kyiv, on Hrushevskyi Street, genuine battles between the demonstrators and the police have been going on, with hundreds of wounded and several deaths.

The government in Ukraine is trying to frame the situation as progroms initiated by the extremist, radical rightist organizations, Ukrainian neofascists, mostly from the Western regions of Ukraine.

We are moderate people, peaceful professionals, of varied ethnic origin, from various regions of Ukraine. We do not sympathize with the right-wing radical organizations, let alone being their members. We do not think that throwing Molotov cocktails or stones can serve as adequate instruments for protecting one's values.  

Despite this, we declare our solidarity with those, who have been forced to use these instruments today.

We are convinced: the overwhelming majority of the protesters does not belong to any extremist organizations. A 21 year old farmer from Dnipropetrovsk region, Serhiy Nigoyan, who was shot in Hrushevskyi Street, was not a member of such organizations, neither was a 50 year old Ph.D. (physical and mathematical sciences), Yuriy Verbytskyi, a seismologist from L'viv region, wounded in Hrushevskyi Street, kidnapped by unknown subjects, and taken to a forest, where he died.

The turn from hitherto unprecedented massive and peaceful protests to radical ways of expressing one's position was forced upon the protesters by the policies of the Ukrainian government, which demonstrates utter disregard for the interests of Ukrainian citizens, ignores their opinions and uses violence against the peaceful protesters. The last straw that broke the camel's back and provoked the battle in downtown Kyiv was the blatant attempt to usurp power by the faction of the Party of Regions in the national legislature. On January 16th, violating the established parliamentary procedure and practically without a genuine vote count, that faction adopted bills that severely violate the Constitution and the international human rights standards. The President, instead of imposing a veto, signed these laws the following day.

It was the government of Ukraine, which was quickly losing any remaining semblance of legitimacy, that radicalized people that never belonged to any extremist groups. The government left the protesters no other choice. That is why the attempts to portray the protesters as fascist-like extremists is nothing but a ruse, a manipulation and a falsification on the part of the government, designed to absolve itself of responsibility for the clashes in center city Kyiv and to form the corresponding public opinion about the anti-governmental protests, both among the Ukrainians and the citizens and politicians of other nations. All that is being done with express purpose of creating an informational background favorable to the forceful crackdown on the protests.
Simultaneously, though, we proclaim that the continuation of such forceful confrontation will lead to more violence and more casualties. To stop the escalation of violence, the government must remove the special forces of the Ministry of the Interior and soldiers of the Interior Militia, which were brought to Kyiv, must stop criminal persecutions of the protesters and strike down the shameful laws adopted on January 16th, afterward arranging for genuine, not just decorative, negotiations with the opposition, including the representatives of the civil society.

Signed by:
Yevhen Zakharov, Director of Kharkiv Human Rights Group, Kharkiv; Serhiy Zhadan, writer, Kharkiv; Viktor Pushkar, social psychologist, Ph.D. (psychological sciences), scientific director of IC «Maidan Monitoring», Kyiv; Oleksander Severyn, attorney at law, J.D. (legal sciences), legal consultant of IC «Maidan Monitoring», Kyiv; and others.

 


 


Deadlock in Ukraine
January 24th, 2014 

 

On 22 January, Ukraine’s national Day of Unity and Freedom, two demonstrators were shot dead in the centre of Kiev. They were not killed with rubber bullets, like those the Berkut riot police have been using to fire on protestors, but with regular bullets. One appears to have been killed by a sniper’s rifle, the other by a pistol. On the same day Ihor Lutsenko – the son of Yuriy Lutsenko, one of the leaders of the opposition – and Yuriy Verbytsky, a well-known mountain-climber and scientist from Lviv, were abducted from hospital by a group of individuals wearing civilian clothing. Both Euromaidan activists were taken outside the city and brutally beaten. Ihor was lucky – he survived. He managed to make his way to the nearest village, where local residents took him in and called the emergency services. Yuriy Verbytsky was found dead later that evening in a nearby forest.

Meanwhile President Yanukovych recently signed decrees awarding honours to politicians, civil servants and public figures in connection with the Day of Unity and Freedom. The majority of the recipients were quietly delighted. Only Patriarch Filaret, head of the Kievan Patriarchate of the Ukrainian Orthodox Church, and a Crimean politician representing Vitaly Klitschko’s UDAR party refused to accept an award from the hands of the president while those protesting against him were being ‘awarded’ rubber bullets and live ammunition by the militia and other government forces.

The political crisis in Ukraine is approaching its denouement, and it doesn’t look like it’s going to have a happy ending. It is hard to imagine that just two months ago Ukraine was preparing to sign an Association Agreement with the European Union in Vilnius. Ukraine was completely different then. Admittedly the country was on the brink of financial collapse, but in spite of this the whole country somehow seemed to be in better spirits. Even in the East and the South – traditionally more pro-Russian regions – civil servants and local politicians, on the President’s orders, had begun to speak in more positive terms about Europe and the European future of Ukraine. But this didn’t last long. In spite of the strained relationship between the presidents of Russia and Ukraine, Putin decided that ‘allowing’ Ukraine to join Europe was out of the question. He offered Yanukovych $15 billion not only to prevent the country defaulting on its financial obligations, but also to ensure that the Yanukovych would have enough money in the budget to last until the presidential elections in 2015. The great ship Ukraine changed course again, sailing closer to Russia. After three years of promises, Putin finally lowered the price of Russian gas to Ukraine, although the new gas supply agreement includes a clause whereby Gazprom has the right to review or amend the price of gas every three months. Thanks to this agreement between Putin and Yanukovych, the future of Ukraine has been left ‘hanging’ from a gas pipe; hanging alongside it is the future of Yanukovych himself.

Two months ago, immediately following the summit in Vilnius – at which President Yanukovych failed to sign documents and even complained that the European Union hadn’t offered Ukraine $15 billion worth of financial aid – the first student protestors began to appear in the central squares of Kiev and Lviv. They came of their own accord, without political support. They began to hold rallies and call for the Ukrainian government to sign the agreement with the EU. They explained that Ukrainian students saw only two possible options for the future: life in European Ukraine, or emigrating to Europe for life. Members of the political opposition appeared only later. Not until after the early hours of 30 November, when the riot police turned up on the main square of the country and began dispersing the student protestors with astonishing brutality. Later that morning the centre of Kiev was inundated with half a million demonstrators, who were there not to campaign for the signing of the EU agreement but in protest against the authorities. Maidan Nezalezhnosti (Independence Square) and the main street, Khreshchatyk, were transformed into a temporary camp for the protestors, who came from virtually every corner of Ukraine. Some came to take part in the protests for a few days, while others moved into the tents more permanently and are still there now. Several thousand people stay through the night. The camp borders are patrolled by security forces, electricity generators operate not far from the tents and numerous small stoves are in use, emitting trails of smoke. I have visited the Maidan camp, as it is known, several times at night and found the atmosphere of ‘permanent revolution’ surprisingly peaceful. The same has been true of the busier daytime rallies, which have featured appearances by politicians, rock musicians, priests and writers. For over a month a Russian travel agency in Krasnodar was promoting trips ‘to Maidan’ and bringing Russian tourists right here, to the centre of Kiev, where they had plenty of fun taking photographs of themselves in front of the tents, the barricades and the political slogans.

This peaceful revolutionary time is now over. The fact that it lasted as long as it did is down to the psychological disposition of the Ukrainian president, who trusts no one, is afraid of everything and never mixes with his own people if he can possibly help it. On the same night the Berkut forces were beating up students, President Yanukovych boarded a plane and left for an official visit to China. The Minister of Internal Affairs had evidently promised him that the protests would be over by the time he got back. He was never in a position to keep this promise because the number of protestors grew so significantly, and furthermore protests had also begun taking place in other towns and cities across Ukraine. So instead of rushing home, the President of Ukraine decided to visit President Putin in Sochi. Without calling in on Kiev, which was already under siege by protestors, he planned to set off straight from Sochi on an official visit to Malta. However, the Maltese government decided that they weren’t prepared to host the president of a country in a state of civil unrest. With no choice but to reluctantly return home, Yanukovych found himself under obligation to commit to a round-table discussion with the opposition.

Instead, he held a round-table discussion with three former presidents of Ukraine. Four Ukrainian presidents discussing things around a table led to nothing but general ridicule. Then there was another round-table discussion with so-called representatives of the student protestors, during which some cheerful students brought in from the east of the country expressed gratitude to Yanukovych for their wonderful lives and promised that they would always support him in whatever he did. President Yanukovych spent the following two months ignoring the protests. Meanwhile the leaders of the opposition, represented in parliament by three different political parties, tried to come to an agreement among themselves as to which of them would be the main opposition representative. As expected, this problem was resolved a few days ago, albeit temporarily, with former professional boxer Vitali Klitschko taking on the role of official spokesperson. The first meeting between Klitschko and Yanukovych took place in a forest outside Kiev, where the Ukrainian president lives behind a high fence and several lines of armed security personnel. Yanukovych promised to organise negotiations, but this never happened. Tired of waiting two months for the protests to yield results, a hardcore minority of protestors took it upon themselves to throw rocks at members of the militia, who had used lorries and buses to cut off access to the street leading to parliament and the cabinet of ministers.

In response the Ukrainian parliament, or rather a part of the ruling Party of Regions faction, used the illegitimate method of simply raising their hands to pass new laws, which effectively revoked freedom of speech and made all protestors criminals. The President swiftly signed these newly ‘voted’ laws, thereby dividing the country into those who support him and those who are guilty of a crime by not supporting him. Those who speak out against the authorities are branded ‘criminals’, and for them there is no way back: retraction is not an option. According to the new law the three opposition leaders, who met with the President on 22 January, are also criminals. It’s entirely possible that after the forced dispersal of the Maidan camp, which could take place at any moment, not only could the protestors end up in prison but so could opposition parliamentary deputies and the leaders of their parties. Particularly given that one of the laws signed by the president on 16 January is designed to simplify the removal of parliamentary immunity, so that in just ten minutes a previously ‘untouchable’ parliamentary deputy could become an ordinary citizen under arrest.

If this should come to pass over the coming days, then it will lead to a partisan war in Western Ukraine against the representatives of the government and the ruling party. This may well lead to the disintegration of the state of Ukraine itself, with the Russian Federation waiting in the wings to make the country’s eastern and southern regions its ‘protectorates’.

Andrey Kurkov, Ukrainian writer and novelist was born in St Petersburg in 1961. Having graduated from the Kiev Foreign Languages Institute, he worked for some time as a journalist, did his military service as a prison warder in Odessa, then became a film cameraman, writer of screenplays and author of critically acclaimed and popular novels, including the cult bestseller Death and the Penguin. His latest novel, The Gardener from Ochakov was published by Harvill Secker last year.

Amanda Love Darragh studied French and Russian at Manchester University, then spent the following decade working in Moscow and at BBC Worldwide. She currently lives by the sea in Devon with her husband, three children and three cats. Amanda won the 2009 Rossica Translation Prize for her translation of Iramifications by Maria Galina (Glas) and has translated two novels by Andrei Kurkov for Harvill Secker, as well as a number of other novels and short stories by contemporary Russian authors.

Translated from the Russian by Amanda Love Darragh


 

Note: 2004 I met Aharon Appelfeld in Vienna and we have been talking about Czernowitz. 2006 I met Igor Pomerantsev (with him together we started in 2008 the project "Zeitzug"), 2010 I have been for the first time in Czernowitz, attending the Poetry Festival "Meridian Czernowitz". 2011 together with Ukrainian poet Iryna Vikyrchak a collection of poems, bilingual (German, Ukrainian) has been published. In October, November 2013 I have been for five weeks again in Czernowitz, invited by Meridian Czernowitz "Poets in Residence". I met writers, artists, students, journalists. Being an European, born in Austria, living in Prague, I could not help but be drawn to the critical situation in Ukraine. Thank you for your attention to read those notes, letters from Ukraine. Milena Findeis

 

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