Zwischen(W)orte

Wortsein leben, mit und durch Elijah

Den Advent leben, um die Herzkammer zu öffnen.

Milena Findeis

November 2017

zwischen(w)orteDas Unterwegssein nimmt mich mit. Manchmal in Teilen, zuweilen in Lippenbekenntnissen und mitunter ganz, so dass ich die Zersplitterung - als Einssein mit der Minute, dem Ort, dem Mensch der mir gegenübersitzt - empfinde.

Fokussiert. Mit der Kamera gelingt es zuweilen. Durch ein Detail erschließt sich ein neuer Ort, ein selten verwendetes Wort. Die eingefahrenen Fährten zurücklassend. Hinein in den frisch gefallenen Schnee. Verweht, das Weh des Verbrauchten.

Getraut. Auf einen Menschen zugehen. Ihn ansprechen, um das Zuhören zu lernen. Dem Wort einen Wirkraum geben über die Begriffe, die sich ihnen unbedacht anhängen, hinweg.

Ober- und Untertöne, von lobend bis jammernd, zeigen sich durch den Blick. Unabhängig von der Augenfarbe.  Dem wärmenden Blick folgend, öffnet sich die Herzkammer.

Ein Freund, der zwischen Kärnten und Kerala pendelt, erzählt mir, dass ab 1.1.2017 per Regierungsdekret in Indien das Verwenden von Plastiksackerln verboten worden ist. Der Vorzug einer "geführten Demokratie", zwinkert er mir zu.

Gewissenhaft mit einem von Herzen kommenden Lachen, das ist das, was mir der wichtigste Mensch in meinem Leben täglich vermittelt. Schal im Vergleich der Klatsch, den ich inhalierte als ich einer Einladung folgte, wo Gebildete sich austauschten.

Das Leben ist zu kurz, um es zu konsumieren.

Worte inhalieren, atemgleich. Nahrhaft. 

Eine Zeitlang- Ein Wort das sich aus der Kindheit heraus in die Jugend, die Lebensmitte dehnte, bis es nach dem fünfundfünzigsten Jahr zu schrumpfen begann. Der Vergänglichkeit zum Trost gereicht, das Leben wandelt.

Liebend gerne aus Nebensätzen Vergleiche ziehen. Zitiere aus "Die Obstdiebin", Peter Handke, Seite  53 (Einwilligung von Suhrkamp wurde nicht eingeholt). "Alle die Busse waren leere, auf dem Weg ins nahe Versailles, wo an der Esplanade vor dem ehemaligen Königsschloß die Touristen, neuerlich viele aus China, aufs Abgeholtwerden warteten." Seit Jahren entziehe ich mich den Touristenströme, die Prag anpeilen. Die Asiaten und die Araber im Zunehmen begriffen. Ströme von Touristen werden Grenzen geöffnet, während sie sich den Flüchtenden verschließen. 

Von den Ausstellungen weg, zurück ins Leben. Im Gegenüber der Anhäufungen - in Wort, Bild, Dingen - in die Leere gehen, mit frisch gewaschenem Kopf. Das Aufgehen in der Wirklichkeit, wenn die Meise vorm Fenster, ihr Schauen mit dem Blick eins wird.