Tomáš Kafka

Tomáš Kafka

Jahrgang 1965, geboren in Prag. Studium: Russisch und Geschichte in Prag. Seit 1991 Diplomat für das tschechische Außenministerium. Sein Vater Vladimír Kafka (1931-1970), hat als Redakteur gewirkt und sich als Übersetzer von Kafka, Böll und Grass einen Namen gemacht.

Ende der 80er Jahre Mitbegründer der Zeitschriften Dolmen und Kvašňák. Tschechische Texte publizierte er in Mladá fronta Dnes, Lidové noviny, Revolver Revue, Host, Týden, Respekt, Židovské ročence u.a., deutsche Gedichte im Passauer Pegasus, in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Ostragehege, Sprache im technischen Zeitalter u.a.

Tomáš Kafka veröffentlichte seine tschechischen und deutschen Gedichte in den Gedichtbänden Kvaše (1994), Ze světa (1996) und Verše v roce (2005). Seine Einakter Golden goal, Fotbal to je life (2004), Tragedy (2002), Hry s Karlem (2004) und Míčové hry (2007) spielen in die Welt des Fußballs hinein.

Aus dem Deutschen ins Tschechische übersetzte er u.a. Jiří Gruša, Bernhard Schlink, Thomas Brussig, Werner Schwab, René Pollesch, Hans Magnus Enzensberger. Aus dem Tschechischen ins Deutsche Gedichte von Ivan Wernisch.

Die nachstehenden Gedichte von Tomáš Kafka - eine Brücke zwischen Diplomatie und Poesie, zwei Welten in denen die Kommunikation im Vordergrund steht: Sprache durch Verständigsein.

Milena Findeis

 

Hehre Ziele
Ich hab´ hehre Ziele,
singen wie Herr Schiele,
malen wie Herr Bach,
und schreiben wie viele,
über die man lacht.

 

 

Kommen und Seen
Wir kommen von Übersee
und machen hier nur Fortseezungen;
Manchmal ist´s zu Überseen
und manchmal nur noch ungelungen.

 

 

Historische Musen
Wann ist Geschichte reif
für ein Museum?
Nachdem es nicht vergeht
Und dennoch scheint es um.



Kriegsenden
Jedes Kriegsende
belässt Jubelnde
in dem schönen Trug,
dass Schwerter werden Pflug
und der schöne Jubel
verdrängt jedes Übel,
damit am Ende
bleibt das Jubelnde.

 

Marmelandenunfall
Nachdem mir die Heidelbeere
als Jam die Hose befleckte
such´ ich mir die neue Ehre
im Reich der falschen Effekte.

Heidelbeere, Heidelbeere
wer weiss was in dir noch steckt
ich geriet dir in die Quere
und bin ich nicht mehr unbeleckt.