Im Wandel liegt Dauer — nach dem Beginnen, vor dem Ende.
Das Auge macht das Bild, die Kamera ist das Werkzeug.
Das Leben wirkt - Buchstaben, Wörter, Sätze erzählen davon im nachhinein.
Sie reihen sich aneinander: Tage mit und ohne Rand.

Milena Findeis, Augnerin

15.9.2019 Nebelfestspiele: das Graudicht schluckt Farben und Geräusche, setzt sich an den Fersen fest, gemahnt an die Asche der frisch Verstorbenen. Im Septemberlicht leuchten die kürzer werdende Tage: Erntedank

2.9.2019 Die Rolle der Zuhörerin: der erzählenden Gästin Raum zu schaffen, sich selber zu entfalten - fern von allen Ratschlägen, Wegweisern und Vorsätzen. Das Aufbrechen beginnt mit dem ersten Schritt, jetzt.

27.8.2019 An der Schwelle in ein Loch fallen: erdnah und eng. So eng, dass der Atem gepresst wird. Durchschneiden der Nabelschnur ein zweites Mal. Gewissheit endet. Die Reise ohne Gepäck antreten.

23.8.2019 Der Blick schaut aus dem langen Schatten in die kürzer werdende Tage hinein - ob und gerade wegen des angesammelten Wehs -  ein Leuchten im Inneren spüren. Langsames Abnabeln von fremdbestimmtem Äußeren.

18.8.2019 Im Sommer 2000 sagte mir der damals Achtjährige "ab jetzt fahren wir mit dem Zug". Ich bin ihm gefolgt, bis heute. Seine Beweggründe waren mir verständlich. Durch ihn entstand die Idee zum Zeitzug.

Augustmiitte

15.8.2019 Inmitten vom August spüre ich den Herbstwind nahen. Die Tage sind merklich kürzer, die Nächte länger und kühler, die Mauersegler Richtung Süden fortgezogen. Eintreten in ein neues Lebensjahr — das Nahen der Erntezeit.

Nimm dein Bett und geh hin!

9.8.2019 Jesus spricht zu ihm: Steh' auf, nimm dein Bett und wandle! (JOH 58). Am Rande der Steine aufgewacht, sie hatten sich angehäuft zu einem Berg, darüber hinweg steigen — das was die Sicht verstellt, zurücklassen.

3.8.2019 Nach einem Begräbnis, wieder im Zug sitzend, spiegelt sich der Abendhimmel im Wasser. "LiebesARM", zieht mich hinein in ein anderes Gewässer um die Arme zu weiten - hin zum geöffneten Herz - lebendiges Sein im Atemzug. 

Sonnig

23.7.2019 Ein Sonnenblumenkern, als Vogelfutter gedacht, wird von einem Spatz verloren, sinkt in die Erde des Blumentopfs und binnen drei Monate wächst eine eineinhalb Meter hohe Pflanze. Ihr beim Wachsen zuschauen, wie sie ihren Kopf nach der Sonne ausrichtet, heute hat sich zum ersten Mal der Blütenkranz geöffnet: Balkonien Sommer.

Schattensprossen

14.7.2019 Die Masse im Licht taumelnd, selbstverliebt in den eigenen Schein, die schmalen schottigen Schattensprossen - geschaffen fürs Weggehen in den stillen Raum.

Tagesrandbild

Ichhaftigkeit

23.1.2019 Losgelöst von der Ichhaftigkeit, hingewendet zum Du – dem Wir, löst sich das "UN" von der Freiheit.

Zwischen (W) Orte

Ohne Vor- und Gegensatz

In Wurzeln und Knospen gewärtig sein