Im Wandel liegt Dauer — nach dem Beginnen, vor dem Ende.
Das Auge macht das Bild, die Kamera ist das Werkzeug.
Das Leben wirkt - Buchstaben, Wörter, Sätze erzählen davon im nachhinein.
Sie reihen sich aneinander: Tage mit und ohne Rand.

Milena Findeis, Augnerin

25.6.2019 Nach den Fahrten mit einem Zielbahnhof um Menschen und Orte zu besuchen, Lust bekommen wieder einmal ohne konkretes Ziel loszufahren,  in den Zug einsteigen, der als nächstes anhält, dort aussteigen, wo die Landschaft zum Gehen einlädt. Den Fahrplan vergessen und mich auf das einlassen, was der Tag bringt.

6.6.2019 
Sichtweisend
zueinander
der blinde Fleck
ein im Außen georterter Spiegel
verinnerlicht

29.5.2019 Der Fall des Eisernen Vorhangs bewirkte in Czernowitz ein Nachdenken über die Vergangenheit. Fragen wurden gestellt, es wurde nach Wurzeln gesucht, nach neuen Bezugspunkten. Vom 5. bis 8. September findet zum zehnten Mal das Literaturfestival Meridian Czernowitz statt, das mit Paul Celan verknüpft ist.

24.5.2019 In der Gegenwart, Vergangenes so lesen, um für die Zukunft besser gerüstet zu sein. Tschernopol, Paul Celan, Rupert Riedl, Joseph Roth, Peter Handke uva. dienen mir als Gedächtnisstützen. Das Verstehenwollen wird zum Fenster, das mich – Spalt um Spalt – öffnet für das Unbekannte.

21.5.2019 Die letzten Tagen waren besetzt von der Politik: Regierungskrise, Neuwahlen in Österreich. In der gestrigen Nacht starb Niki Lauda. "Achtzig Prozent der Fehler sind auf eigenes Fehlverhalten zurückzuführen."  Mit dieser Erkenntnis lässt sich der Geschwafel-Kultur etwas entgegensetzen ...

17.5.2019 Die Ärztin sucht den Puls. "Sehr schwach" ihr Kommentar. Die Bilder dazu laufen im Inneren ab: der vom Kopf produzierte Widerstand hat beinah alle Energie in sich aufgesogen, so - dass kaum noch etwas durch die Adern pulsiert um den Körper zu nähren. Fluten von nicht ins Leere laufende Gedanken haben das Feuer erstickt. Über der Asche atmet schwach — Rauch.

14.5.2019 Man sitzt allein in einem Raum, man selber ist in Sicherheit, aber es fehlt noch der, den man am liebsten hat. Vor Angst werdet ihr müde, und diese Müdigkeit ist der sprachlose, innerste Schmerz. Kein erleichtertes Aufspringen aus einem Gedankenspiel mehr; schwere und rundum erstarrte Gedankenlosigkeit. Peter Handke

3.5.2019 Weit entfernt und in manchen Wortbildern so nah. Geprägt durch die Sprache, dem Übersetzen und das Wandern zwischen Eigensinn und Fremdsein. Gute Reise Michael Roloff. Nachruf von von Gregor Keuschnig, Begleitschreiben.

Metamorphose

25.4.2019 In der Karwoche der "Verwandlung" nachgehangen, gehend, lesend - von Ovid ausgehend über Kafka bei Grün gelandet - und lauschend. Die Glocken verstummten für eine Weile, auf dem Friedhof Kerzen angezündet. "Wer wir waren", die "Zukunftsrede" von Roger Willemsen hat mich hineingezogen in den Sog, das Zukünftige aus dem Vergegenwärtigten zu achten.

10.4.2019 Das Muster "ich bin wie sie" durchbrechen. Der Bruch bewirkt Schmerz. Im Schmerz verändert sich die Wahrnehmung. Was liegt unter dem Schmerz begraben? Verborgenes! Es bergen, freilegen bis die Freude sichtbar wird. Mich verwandeln lassen, durch das,  was meine Wege durchkreuzt.

Tagesrandbild

Kalenderparole

7.12.2019 Laut Kalender: zweites Adventwochenende. Im Garten knospen Rosen, der Goldregen blüht. Mittags an windgeschützter Stelle ein Bad in der Sonne, kurzärmlig (Gartenstadt, Prag).

Zwischen (W) Orte

Abfallen - Jan Skácel

Abfallen_Jan_Skacel

Am 7. November 2019 jährt sich der Todestag von Jan Skácel, er starb vor dreißig Jahren in Brno. Der Dichter Skácel weckte in mir den Wunsch, Tschechisch zu lernen.