Im Wandel liegt Dauer — nach dem Beginnen, vor dem Ende.
Das Auge macht das Bild, die Kamera ist das Werkzeug.
Das Leben wirkt - Buchstaben, Wörter, Sätze erzählen davon im nachhinein.
Sie reihen sich aneinander: Tage mit und ohne Rand.

Milena Findeis, Augnerin

1.12.2019 Advent, das Warten auf die Ankunft. Es erinnert mich an die Wartezeit vor der Geburt, an das Nicht-Vorhersehbare und das in mir wachsende Vertrauen, dass sich ein Weg finden wird.

24.11.2019 Durch äußere Umstände gezwungen trete ich eine Reise an. Gehe alle Reihen ab, jedes der Gesichter erinnert mich an eine Begebenheit. Alle Plätze sind von der Vergangenheit besetzt. Halt finde ich stehend in der Gegenwart.

displaced

22.11.2019 Wenn in den Schaufenstern Weihnachten angeboten und  verkauft wird zieht es mich zu den Plätzen, wo jene sind, deren Los anders ist: obdachlos.

17.11.2019 Die Erinnerung, 30 Jahre nach Beginn der Samtenen Revoltuion auf einer Prager Wiese am 17. November 2019. "Und nochmals die Liebe" Jan Skácel "inwendig zu schauen und die Augen zu schließen und dennoch zu sehen"

Kopfklimmzüge

15.11.2019 Freude unmittelbar: Das Kind erklimmt den Kopf der Skulptur und lauscht den Geschichten der Bäume. Sein inneres Strahlen hat mich gewärmt - mitten im November.

Novemberliebe

10.11.2019 Der Nebel zieht weiter, Sonne gespiegelt vom Blättermeer. Das Herz wandert barfuß. Es wurde gefunden von Novemberliebe – einer lichten Lücke im jetzt, freigesetzt.

6.11.2019 Verdeckt unter angewehten Blättern und Hundekot: Der Stolperstein von Milena Jesenská in der Kouřimská. Niedergekniet und geputzt; im Rücken die Blicke der Vorbeigehenden gespürt, eine alte Dame fragte "warum?".

29.10.2019 Von Oktobersonne modulierter Blick: er reichte vom Wesen des Lichts bis ins Dunkel der Verwahrlosung. Die Schritte vom Wesen über das Wesentliche hinein in das Verwesen. 

25.10.2019 Das vor mir gehende Kind weckt in mir das Herbstbild: Kreislauf von Jahreszeiten, in Jahrzehnten gedacht, ortsungebunden - dem langsamen Vergehen näher gerückt.

20.10.2019 Leserinnen, Leser die - Bücher lesen - nicht auszugsweise, sondern erfassend, halten der Meinungsmache der Sklaven der "veröffentlichten Meinung", den mit Deutungen unterlegten Sprechblasen in Nachrichtendiensten stand. Darin liegt Hoffnung.

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Scherben

6.10.2022 Gedankenfluten: die aufbauenden Jahrzehnte, von 1970 bis 2010 verblassen, bieten keinen Halt in der Gegenwart. Mich an den Gegebenheiten des Jetzt neu orientieren.

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Es klingt nach

"Bitte verzeih die Schreibfehler, ich werde halt schon alt", PS von einem Brief geschrieben am Dienstag 14. Oktober 1986