Im Wandel liegt Dauer — nach dem Beginnen, vor dem Ende.
Das Auge macht das Bild, die Kamera ist das Werkzeug.
Das Leben wirkt - Buchstaben, Wörter, Sätze erzählen davon im nachhinein.
Sie reihen sich aneinander: Tage mit und ohne Rand.

Milena Findeis, Augnerin

Augustmiitte

15.8.2019 Inmitten vom August spüre ich den Herbstwind nahen. Die Tage sind merklich kürzer, die Nächte länger und kühler, die Mauersegler Richtung Süden fortgezogen. Eintreten in ein neues Lebensjahr — das Nahen der Erntezeit.

Nimm dein Bett und geh hin!

9.8.2019 Jesus spricht zu ihm: Steh' auf, nimm dein Bett und wandle! (JOH 58). Am Rande der Steine aufgewacht, sie hatten sich angehäuft zu einem Berg, darüber hinweg steigen — das was die Sicht verstellt, zurücklassen.

3.8.2019 Nach einem Begräbnis, wieder im Zug sitzend, spiegelt sich der Abendhimmel im Wasser. "LiebesARM", zieht mich hinein in ein anderes Gewässer um die Arme zu weiten - hin zum geöffneten Herz - lebendiges Sein im Atemzug. 

Sonnig

23.7.2019 Ein Sonnenblumenkern, als Vogelfutter gedacht, wird von einem Spatz verloren, sinkt in die Erde des Blumentopfs und binnen drei Monate wächst eine eineinhalb Meter hohe Pflanze. Ihr beim Wachsen zuschauen, wie sie ihren Kopf nach der Sonne ausrichtet, heute hat sich zum ersten Mal der Blütenkranz geöffnet: Balkonien Sommer.

Schattensprossen

14.7.2019 Die Masse im Licht taumelnd, selbstverliebt in den eigenen Schein, die schmalen schottigen Schattensprossen - geschaffen fürs Weggehen in den stillen Raum.

Vaters Taschenuhr

8.7.2019 An der Decke baumelt Vaters Taschenuhr, aufbewahrt vom Bruder. Die Erinnerung breitet sich aus, der in Jahren ausgedrückte Horizont verjüngt sich - in architektonischer Hinsicht. Die Wahrnehmung von Zeit hat sich geändert,  das Pendel der Uhr ist flügge geworden, die Tage, Wochen fliegen auf und davon.

7.7.2019 Die eigene Spur finden. Viele Wege führen daran vorbei. Das Kind liefert mir die Vorlage in Form einer Zeichnung. Es hat mir Vorgänge begreifbar gemacht und lässt mich einkehren bei der  Morphologie.

25.6.2019 Nach den Fahrten mit einem Zielbahnhof um Menschen und Orte zu besuchen, Lust bekommen wieder einmal ohne konkretes Ziel loszufahren,  in den Zug einsteigen, der als nächstes anhält, dort aussteigen, wo die Landschaft zum Gehen einlädt. Den Fahrplan vergessen und mich auf das einlassen, was der Tag bringt.

6.6.2019 
Sichtweisend
zueinander
der blinde Fleck
ein im Außen georterter Spiegel
verinnerlicht

29.5.2019 Der Fall des Eisernen Vorhangs bewirkte in Czernowitz ein Nachdenken über die Vergangenheit. Fragen wurden gestellt, es wurde nach Wurzeln gesucht, nach neuen Bezugspunkten. Vom 5. bis 8. September findet zum zehnten Mal das Literaturfestival Meridian Czernowitz statt, das mit Paul Celan verknüpft ist.

Tagesrandbild

Kreuzung

10.8.2020 Wandernd in mich hineingehen, der Weg findet sich. Einen Blumenstrauß für Milena Jesenská pflücken, in ihrer Essaysammlung "Křižovatky" (Kreuzung) fand und finde ich immer noch - die Impulse um in die eigene Spur zu kommen. Die Bilder von Ana Schönsteiner, wegweisend.

Zwischen (W) Orte

Wer ist der Zensor?

Zensor 

Milena Jesenska
Veröffentlicht in Svět práce, 1. Dezember 1933, ins Deutsche übersetzt von Eva Hoffmann