Zugefallen, abgesehen vom Zufall -
und der Interpunktion - liegt die Betonung auf Zug


der mich einholt, ohne mein Wollen
mich abholt, zurückbringt
auf die Schiene, gezeichnet als Weg,
dem ich gefolgt von, begeistert und widerwillig.
Wohin? Das Herz wies mir den Weg,
eingezeichnet auf keiner Karte
im nachhinein zeichnet der Blick
den Weg als Spur -
die anderen möglichen Abbiegungen
sind aus dem Gedächtnis verschwunden.


Geblieben ist das Kreuz
wie am Anfang, so am Ende
ein Trost.
Amen.

 

Schreiben lernen. In Seiersberg lernte ich im September 1964 die Großbuchstaben in Druckschrift, vier Monate später saß ich auf der Schulbank in Zeltweg und dort wurde die Schreibschrift verlangt. Der Schulweg betrug in Windorf 3,5 km, Gehzeit dreiviertel Stunde, in Zeltweg 1,6 km Gehzeit zwanzig Minuten, wenn nicht gerade Neuschnee gefallen und erst ein Weg zu treten war. Die Zeugnisse sind in der Dokumentmappe abgeheftet gemeinsam mit Geburtsurkunde, Staatsbürgerschaftsnachweis, Aufenthaltsgenehmigungen, Impfpässen, der Patientenverfügung und dem Nachlass.

ChamäleonaugenSehen lernen. An was kann ich mich noch erinnern? Das Blond in meinen Haaren ist im vierzehnten Lebensjahr, als die Haare auf kurz geschnitten wurden, einem Brünett mit rötlichen Einstichen gewichen. Jetzt überwiegt Grau und Weiß. Das Blau der Augen hat angehalten.

Im Gegensatz zum Sohn: dessen Augen erinnern mich an ein Chamäleon, sie wechseln von einem tiefen Grün bis ins Taubengraue. Manchmal lodern in ihnen Funken auf, von wärmend bis wütend. Er hat sein Kinderblond früher abgestreift, so um das fünfte Lebensjahr herum. Es ist mit jedem Jahr dunkler geworden, jetzt ist es dunkelbraun und in seiner dichten Struktur spiegelt sich die Sonne. Und die Fragen, die uns in seiner Kindheit verbanden: ob der Anblick der Welt sich durch die Augenfärbe ändern würde. Wir haben probiert mit verschieden gefärbten Gläsern, durch die Linsen des Fotoapparats, dem Geheimnis der Iris sind wir beim Beobachten von Tieren nähergerückt. Augen von nachtaktiven Tieren, wie jener von Katzen, leuchten nächtens.

Das Funkeln in den Augen bewahren, es weitergeben, mit einem Zwinkern das vom Herzen kommt und die Iris erstrahlen lässt.

Augnerin, 18. August 2019

Tagesrandbild

Kreuzung

10.8.2020 Wandernd in mich hineingehen, der Weg findet sich. Einen Blumenstrauß für Milena Jesenská pflücken, in ihrer Essaysammlung "Křižovatky" (Kreuzung) fand und finde ich immer noch - die Impulse um in die eigene Spur zu kommen. Die Bilder von Ana Schönsteiner, wegweisend.

Zwischen (W) Orte

Nachgelesen, Auslese

Gemischter Satz, Prost!
Audiovisuelles Wettlesen in Corona Zeiten