Jan Skácel, Erzählung aus "Das elfte weiße Pferd"

ÜBER DEN KLASSISCHEN APRIL


Die Lateiner pflegen zu sagen: In vino veritas. Im Wein liegt die Wahrheit.

Also das ist überhaupt nicht wahr, sondern ein Aprilscherz, sogar ein klassischer Aprilscherz. Es gab Zeiten, in denen ich diesem Sinnspruch unter Alkoholeinfluß Glauben schenkte. Dann jedoch diente ich beim Militär bei der Infanterie, und wir hatten einen Major, der Abstinenzler war und sich nur einmal im Monat betrank. Das begründete er damit, daß seine Frau gerade eine Japanischprüfung abgelegt hätte, und das müßte gefeiert werden. 

Als wir diese Japanischprüfung schon zum fünften Mal und immer bis zum Morgen gefeiert hatten, begann mich das zu ermüden. Sie konnte hervorragend pragerisch, tschechisch eingermaßen und japanisch gar nicht. Vergeblich bat ich inständig, sie möge mir die Verse: Ana ni ja ši / E-otoko vo! Ana ni ja ši / E-etome vo ins Tschechische übersetzen.

Sie biß überhaupt nicht an, obwohl das ein ganz einfaches japanisches Gedichtchen für Kindergartenkinder ist, und darin gesagt wird: Ei, wie lieb du bist,/mein schöner Jüngling!/ Ei, wie lieb du bist, /mein schönes Mädchen.

Von der Zeit an bin ich der Meinung, In vino non est veritas, oder ein Dreck daran ist wahr. Übrigens hatte ich Gelegenheit, das an mir selbst auszuprobieren. Wenn ich trinke, dann lügte ich wie die Majore von der Infanterie.

Und es ist auch nicht wahr, daß der Mensch sich unter Alkoholeinfluß so zeigt, wie er wirklich ist. Das ist erst ein Aprilscherz. Wenn es wahr wäre, würde ich lieber ins Wasser springen und fünf Minuten lang vergessen, daß ich schwimmen kann.

Im Wein ist überhaupt keine Wahrheit enthalten, und wir trinken vor allem deswegen, um zu zeigen, wie wir nicht sind, wie wir nicht sein wollen, wie schlimm es um uns stünde, wenn wir in nüchternem Zustand so wären.

Aber keiner weiß unsere Wiederbelebungsversuche zu schätzen, man gibt uns Schimpfnamen, und wenn wir nicht auf der Hut sind, pflegen wir sogar Geldstrafen zu bekommen. Das Leben ist überhaupt der reinste April.

Aus dem Tschechischen übersetzt von Christa Rothmeier: Jan Skácel, Das elfte weiße Pferd, Wieser Verlag 1993, S. 42,43

NA KLASICKÝ APRÍL


Latiníci říkají: In vino veritas. Česky to znamená, že ve víně je pravda.

Tak to vůbec není pravda, ale apríl, dokonce klasický apríl. Byly doby, kdy jsem té průpovidce pod vlivem alkoholu věřil. Pak jsem však sloužil na vojně u pěchotý a měli jsme majora, který byl abstinent a opíjel se jenom jednou za měsíc. Odůvodňoval to tím, že jeho paní zrvona udělala zkoušku z japonštiny a to že se musí oslavit.

Když jsme tu zkoušku z japonského jazyka slavili už popáté, a vždycky do rána, začalo mne to unavovat a šel jsem si tu jeho paní prohlédnout. Uměla výtečně pražsky, česky poněkud a japonsky vůbec ne. Marně jsem žadonil, aby mi přeložila do čestiny verše: Ana ni ja ší / E-otoko vo! Ana ni ja ši / E-etome vo.

Vůbec nezabrala, ačkoli je to docela prostičká japonská básnička pro děti z mateřských škol a praví se v ní: Aj, jak jsi milý, / můj krásný jinochu! Aj, jak jsi milá, má krásná dívenko.

Od té doby jsem toho názoru, že In vino non est veritas čili Pendrek je tam pravda. Ostatně měl jsem příležitost vykoušet to sám na sobě. Když piju, tak lžu jak majoři od pěchoty.

A taký není pravda, že se pod vlivem alkoholu člověk projeví takový, jaký opravdu je. To je teprve apríl. Kdyby to byla pravda, tak radši skočím do vody a na pět minut zapomenu, že umím plavat.

Ve vině vůbec není obsažena pravda, a pijeme předevšim proto, abychom ukázali, jací nejsme, jakými nechceme být, jak by s námi bylo zlé, kdybychom takoví byli ve střízlivém stavu.

Ale nikdo si naší obrodné snahy neváží, je nám spíláno, a když si nedáme pozor, býváme dokonce pokutováni. Život je vůbec samý apríl.

Jan Skácel, Jedenáctý bílý kůn, Vydavatelstvi BLOK, 1964, str. 52, 53

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LebensVERlauf

26.11.2010 Der Fülle der Leere ist nichts entgegenzusetzen. Sie ist an meine Stelle getreten. Für unberaumte Zeit.

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Ohne fein abgestimmte Zusammenarbeit gibt es keine Filmsequenz