Ich danke für die Einladung in das Forum von WisR, einer Plattform für Senior Talents, die ihre Erfahrung und Expertise im Berufsleben auch nach der Pensionierung weitergeben möchten.

Als ich mich letzten Herbst anmeldete, scheiterte das daran, dass Prag weder in Österreich noch in Deutschland einzuordnen ist. Die Grenzen, sie zu überwinden erfordert, neue Wege zu finden.

In meinem aktiven Arbeitsleben ging es mir nebst Erwerbstätigkeit mehr und mehr über die Sinnhaftigkeit einer Tätigkeit. Mit 55 endete dieses abrupt, mein Vertrag wurde nicht mehr verlängert. Zu alt. Ich ging in mich und fragte mich, wie soll es weitergehen? Ich entschloss mich dazu, meinen Lebensstil zu ändern und die Zeit bis zur Auszahlung meiner ersten Rente (ich war in Österreich, Deutschland und Tschechien erwerbstätig) aus meinen Ersparnissen zu bestreiten. Mich auf einen neuen Weg zu machen, allein.

Ich habe Marketing immer als Schnittstelle zwischen Markt, Kunden und Mitarbeitern verstanden. Slogans, perfekte Bilder spielten dabei eine untergeordnete Rolle. Den Mitarbeitern zu vermitteln, dass sie das Bindeglied zu den Kunden sind, dass dabei jede Abteilung eine wichtige Rolle spielt. Wenn ein Kunde Probleme hatte, habe ich mir das angehört und das an die einzelnen Abteilung weitervermittelt.

Covid 19 hat sozusagen über Nacht in vieler Leben eingegriffen. Auf einmal waren Grenzen wieder dicht, es wurde unterschieden zwischen systemrelevanter Arbeit und alles was mit Tourismus, Kultur, Unterhaltung, Gastwirtschaft, Bildung zu tun hatte wurde im realen Leben geschlossen und zum Teil ins digitale verlagert. Als ich einer lokalen Hilfsorganisation beitreten wollte, konnte ich das nicht, weil über 60 Jahre. Also entschloss ich mich online eine Nähmaschine zu kaufen, Masken für jene in meiner Umgebung zu nähen, die sie brauchten. Ich hatte zuvor nie genäht, fluchte das eine oder andere Mal, weil die Nähmaschine anders reagierte als ich es wollte. Doch ich lernte und diese neue Tätigkeit half mir und jenen, an die ich die Masken weitergeben konnte.

Jenen Riss, der seit den 90er Jahren durch die Gesellschaft geht - Löhne und Gehälter, jenseits des Managements, des Beamtentums - sind gleichgeblieben, die Lebenskosten allen voran Miete, Energie, Wasser haben sich erhöht, wieder zu verkleinern. Manche arbeitende Menschen brauchen zwei bis drei Jobs um über die Runden zu kommen. Ich habe gelernt mit meiner Rente auszukommen, mir geht es nicht um Erwerbsarbeit, die will ich jenen, die sie brauchen, nicht wegnehmen.

Vereine, ehrenamtliche Tätigkeit nehmen schon jetzt einen großen Platz im öffentlichen Leben ein. „Die meisten Menschen leben im Treibsand zwischen Erfolg und Überflüssigkeit. Sie kämpfen darum, nützlich zu bleiben, wesentlich zu werden - nicht abzustürzen in die spätkapitalistischen Müllhalden, aus denen es keine Rettung gibt. Es geht um alles.“ Ilja Trojanow

 

Prag, 14.5.2020 Milena Findeis

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LebensVERlauf

26.11.2010 Der Fülle der Leere ist nichts entgegenzusetzen. Sie ist an meine Stelle getreten. Für unberaumte Zeit.

Zwischen (W) Orte

Backstage am Set

Ohne fein abgestimmte Zusammenarbeit gibt es keine Filmsequenz