
Horizont, aus der Ferne so nah, Juli-Donner
Zum 75. Geburtstag am 10. Juli 2025 schrieb ich Petro Rychlo ein Mail: "In Gedanken bin ich oft in Czernowitz. In der Ukraine. Heute, beim Denken an Dich, fiel mir das Wort "Löschpapier" zu.
Beim Schreiben mit Tinte ein Hilfsmittel. Der Bleistift bedarf des Radiergummis.
Das Löschpapier saugt Überflüssiges auf. Den Schatten, damit das Geschriebene klar erscheint.
Du verhilfst den Sprachen, dem Ukrainischen und dem Deutschen, zu scheinen – von Czernowitz ausgehend.
Wünsche Dir Gesundheit und genügend Löschpapier, damit der Frieden wieder gestaltenden Raum einnimmt." Einige Minuten später dankte er "für den seelischen Beistand".
Einen Tag später las ich im The Kyiv Independent, dass in der Stadt Czernowitz zwei Menschen getötet wurden. Vier weitere wurden schwer verletzt, einer von ihnen in kritischem Zustand. Zehn weitere erlitten leichte Verletzungen. Auf Facebook fand ich Fotos von Maxym Kozmenko:

Christian Hinderer, er war im Mai 2025 wieder in Czernowitz, schrieb, "morgen ist in Czernowitz ein Trauertag. Gestern in der Nacht gab es Drohnen- und Raketenangriffe in der Stadt. Zwei Menschen sind ums Leben gekommen und 26 verletzt. Es wurde ein Nachbarhaus von Prof. Rychlo getroffen. In seiner Wohnung wurden die Fenster auf dem Balkon eingeschlagen."
Feuerwerke habe ich nie gemocht, jetzt verabscheue ich sie. Sie erinnern mich an all die tödlichen Explosionen in der Welt. Der verschmutzte Himmel betäubt mein Denken. Das Gurren der Taube am Giebel des Nachbarhauses: Kein Waffenstillstand in Sichtweite.
Prag, 13.7.2025 Milena Findeis

