Spuren im Netz

Der pochende Innenimpuls folgt einem Stichwort. Eingetippt, gesprochen antwortet das digitalisierte Netz prompt.

Antworten lassen sich zu Stichworten und fragenden Anmerkungen sofort finden. So schnell wie digitalisierte, vernetzte Daten analysiert werden, kommt mein Gehirn nicht mit. Zumal das Netz mit den neuesten Forschungen, wie wir Menschen reagieren, verknüpft ist. Was löst in mir solche Emotionen aus, damit ich reagiere, sei es mit einem Daumen nach oben, einem Kommentar oder einer Blockade. Aufmerksamkeitskontrolle?

Meine Vorstellungen reichen dorthin, wo ich an vertraute Punkte anknüpfe. 

Mir hilft, dass ich mich auf Menschen konzentriere, die ich persönlich kannte und kenne. Das gibt mir Sicherheit. Beispielsweise »Allerhand Klärungsbedarf«. Martin Krusche beschäftigt sich gemeinsam mit einem Netz von Vertrauten auf diversen Feldern, wo das Lernen im Vordergrund steht. Sein Ansatz »niemand ist alleine schlau« spricht mich seit Kindheitsbeinen an. Das, was in mir einer Zeit des Wandels innere Sicherheit verschafft, ist mein Vertrauen in Menschen, die verstehen – nicht besitzen – wollen. Mit ihnen und ihren Werken im Diskurs zu stehen, empfinde ich als Glück.

Querverbindungen

Während meines letzten Wien Aufenthalts schenkte mir Joana Radzyner das Buch »Über Morgen«, Gespräche zwischen ORF-Korrespondenten. Der Mandelbaum Verlag hatte kein Budget für Fotos, daher wurden mit Hilfe der KI Zeichnungen der Interviewten angefertigt. Nächste Woche steht ein Gespräch mit Armin Jäger auf dem Terminkalender: Er wird das Gespräch aufnehmen und durch KI transkribieren lassen. Am 8. Mai 2026 wird in Gleisdorf das Projekt Mini Fabula vorgestellt: Texte, Fotos, Bilder werden verknüpft durch Menschen und Technik.

Heute hat mir ein vor mehr als zehn Jahren erstellter Alert zu Igor Pomerantsev einen Link zu Grokipoedia zugestellt. Ich klicke drauf und lese ausführliche Biografien von Peter und Igor Pomerantsev mit Fußnoten und Links und darunter auch  zum Zeitzug. Da mir Grokipedia nichts sagt, suche ich im Netz und finde, dass es das Pendant zu Wikipedia ist, finanziert von Elon Musk. Im Gegensatz zu Wikipedia werden die Inhalte nicht durch Menschen erstellt, sondern durch KI gespeist. Der Pomerantsev Grokipedia Artikel ist wesentlich umfangreicher als jener von Wikipedia. Nach der ersten Lektüre sind mir keine groben Fehler aufgefallen. Ich habe den Grokipedia Link Igor Pomerantsev gesandt und bin gespannt, wie er sich dazu äußern wird. In meinem Hinterkopf sitzt Russells’ Huhn: Das Huhn denkt sich seinen Fütterer als Wohltäter, weil es dessen Motiv – es zu schlachten – nicht kennt.  

Was leitet mein Gewissen an, auf welchen Grundlagen treffe ich Entscheidungen? 

Für Georg Gesek ist der Begriff „Künstliche Intelligenz“ potenziell irreführend, als ob künstlich geschaffene Intelligenz etwas ganz anderes als die evolutionär entstandene sei. Stattdessen betont der Wiener Physiker, Elektro-Ingenieur und CEO des HPC-Spezialisten Novarion Systems: „Intelligenz ist die Fähigkeit, Probleme zu lösen“. Technologische Intelligenz setzt die natürliche Evolution fort. Daniel Schrader.

In der Prager Gartenstadt schneit es und ich werde mich hinausbewegen, um das Denken zu durchlüften. Nach dem Motto von Adam Bronstein  »Daß wir mit einem Hinrichtungsbefehl auf die Welt gekommen sind, aber trotzdem nie unseren Schmäh verloren haben, ist ein wunderbares Mysterium.« Gehend in der Stille huscht mir durch die Sinne, der Weg zur Welt führt durch meine Gehirnwendungen, sie für Neues zu öffnen um nicht in der Angst verloren zu gehen.

 

Prag, 9. Jänner 2026, Milena Findeis

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Eislaufen

1.1.2026 Der Teich ist zugefroren. Kinder packen ihre Schlittschuhe aus und laufen übers Eis. Die Farben der Landschaft wenden sich Pieter Bruegel zu. Einen freundlichen Augenblick sollen weitere folgen.

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